Auf dem Zentralmarkt in Fortaleza stiegen die Preise kräftig im September / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, J. Andrade

Auf dem Zentralmarkt in Fortaleza stiegen die Preise kräftig im September / Copyright: Wikimedia, Creative Commons, J. Andrade

Wenn man die geldpolitischen Entscheidungen der letzten Monate betrachtet, dann müssten nach volkswirtschaftlicher Theorie die Preise in Brasilien steigen, denn die wirtschaftliche Aktivität hat sich nicht entsprechend im gleichen Maße erhöht, wie der Leitzins gesunken ist. Es muss also noch andere Faktoren geben, die derzeit verhindern, dass die Preise im Land kräftig über das von der Regierung erklärte Ziel von 4,5 Prozent im Jahr hinaus ansteigen. Allerdings nur, wenn man den Durchschnitt über alle Bundesstaaten hinweg errechnet. Betrachtet man einzelne Regionen und Städte im Detail, so zeigt sich ein anderes Bild.

Vor allem für den wirtschaftlich schwachen Nordosten ist die derzeitige Situation schwierig. Für den September hat das gewerkschaftsübergreifende Institut für Statistik und sozioökonomische Studien (Departamento Intersindical de Estatística e Estudos Socioeconômicos, kurz: Dieese) die Zahlen für Fortaleza und Recife berechnet und dort weist der Warenkorb Preissteigerungen zwischen 2,54 und 4,49 Prozent auf – im Vergleich zum Vormonat. Auch in Manaus stiegen die Kosten für die Waren des täglichen Bedarfs um 3,61 Prozent. Im Süden und in der Mitte des Landes, in denen auch die wirtschaftliche Aktivität des Landes konzentriert ist, haben sich die Warenpreise zum Teil stark erhöht. In Florianópolis, Brasília und Vitória beispielsweise reduzierten sich die Preise in Bereichen von 2,29 bis 9,04 Prozent (Florianópolis).

Damit trägt die derzeitige geldpolitische Strategie dazu bei, die Ungleichheiten im Land weiter zu verschärfen. Der tendenziell ärmere Norden Brasilien hat mit Preissteigerungen zu kämpfen, während der reichere Süden von dem zusätzlichen Geld eher zu profitieren scheint und die Preise dort für den Alltag eher sinken. (mas)