Blick auf die Eigner der brasilianischen Schulden; Bankenviertel in São Paulo / Copyright: Creative Commons, J. Belmonte

Blick auf die Eigner der brasilianischen Schulden; Bankenviertel in São Paulo / Copyright: Creative Commons, J. Belmonte

Nicht nur in Europa, sondern auch in Lateinamerika sind die Schulden des öffentlichen Haushalts eine Unsicherheit, die beständig wächst. Nach den Erfahrungen aus der Schuldenkrise in den 80er Jahren und den finanziellen Problemen um die Jahrtausendwende sind die Verbindlichkeiten der öffentlichen Hand allerdings nicht mehr überwiegend im Ausland, sondern den größten Anteil der Schulden trägt mittlerweile die brasilianische Wirtschaft selbst. Am Freitag wurde die Summe an Schulden für den föderalen Haushalt (Dívida Pública Federal, kurz: DPF) mit 1,87 Billionen Reais (rund 809 Milliarden Euro) bekanntgegeben. Nach Angaben des nationalen Schatzamts (Tesouro Nacional) entspricht das einem Wachstum von ca. 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Einer der Hauptursachen sind Steigerungen bei den inländischen Anleihen und Schuldverschreibungen, die in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Haushalts Verbindlichkeiten in Höhe von 1,78 Billionen Reais (rund 770 Milliarden Euro) ausmachen. Im Gegenzug fiel der Anteil der ausländischen Verschuldung um 7,55 Prozent auf 90 Milliarden Reais (rund 39 Milliarden Euro) und dies obwohl der Wechselkurs zum Dollar im zweiten Halbjahr sich zum Nachteil der öffentlichen Verbindlichkeiten verändert hat. Da die ausländische Verschuldung relativ auf die Gesamtschuld berechnet ist, ergibt sich durch den Anstieg der inländischen Verschuldung rein rechnerisch diese Reduktion der ausländischen Verschuldung. Tatsächlich stieg die ausländische Verschuldung – ohne Wechselkursbereinigung – um rund sieben Milliarden Reais (drei Milliarden Euro) seit Ende 2010 an.

Die Förderung von Investitionen und die Steuerung des Geldmarkts sind zwei Bereiche der öffentlichen Hand, welche die Steigerungen der inländischen Schulden zu verantworten haben. Allerdings sind diese Ergebnisse teil des Wachstumskurses welche die Regierung Dilma Rousseff für Brasilien eingeschlagen hat. So hat die brasilianische Nationalbank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social, kurz: BNDES) allein im Dezember 2011 Schuldtitel im Wert von 15 Milliarden Reais (rund 6,5 Milliarden Euro) ausgegeben, um damit Investitionsprojekte mit zinsgünstigen Krediten zu fördern. (mas)