Die brasilianische Zentralbank in São Paulo / Copyright: Creative Commons, Dornicke

Die brasilianische Zentralbank in São Paulo / Copyright: Creative Commons, Dornicke

Bereits zum vierten Mal in Folge hat gestern (19.01.) die brasilianische Zentralbank den Leitzins des „Selic“ reduziert, von 11,0 auf 10,5 Prozent. Dies beschloss der geldpolitische Ausschuss (Comitê de Política Monetária, kurz: Copom), um in der derzeitigen internationalen Krise der brasilianischen Wirtschaft billigere Kredite zu ermöglichen und so die wirtschaftliche Entwicklung zu stabilisieren. Die geringe Absenkung um 0,5 Prozentpunkte ist dabei auf die Einhaltung der Inflationsziele für 2012 zurückzuführen, um dem brasilianischen Markt nicht zu viel Geld zur Verfügung zu stellen.

Anfang 2011 hatte der Copom noch versucht mit Hilfe des Leitzins gegen die hohe brasilianische Inflation anzugehen und hob den Leitzins auf einen Höchststand von 12,5 Prozent. Mit der Eintrübung der Aussichten, auch in 2011 ein kräftiges Wachstum der brasilianischen Wirtschaft zu erreichen, setzte die Zentralbank den Leitzins stufenweise wieder herab; mit der gestrigen Absenkung auf ein neues Tief, das zuletzt im Juli 2010 erreicht worden war.

Der niedrige Basiszins hilft aber nicht nur der brasilianischen Wirtschaft, sich mit frischem Geld zu versorgen. Auch der brasilianische Staat selbst kann sich unter diesen Bedingungen billiger mit Krediten versorgen oder die Zinslast aus bestehenden Krediten reduzieren. Es ist damit zu rechnen, dass weitere Absenkungen durch die Zentralbank in diesem Jahr noch erfolgen. Die Prognosen sehen für Brasilien auch in diesem Jahr ein Wachstum von rund 3,5 Prozent vor. Zudem schwächt sich die wirtschaftliche Lage insgesamt ab, so dass mit einer Reduktion der Exporte zu rechnen ist. In einer Analyse rechnen die Märkte deshalb mit einem Leitzins von 9,5 Prozent bis zum Ende diesen Jahres. (mas)