Der Chef der staatlichen Banco do Brasil, Aldemir Bendine übernimmt ab sofort den Vorsitz der Petrobras. / Copyright: Agência Brasil
Der Chef der staatlichen Banco do Brasil, Aldemir Bendine übernimmt ab sofort den Vorsitz der Petrobras. / Copyright: Agência Brasil

Der Chef der staatlichen Banco do Brasil, Aldemir Bendine, übernimmt ab sofort den Vorsitz bei Petrobras. / Copyright: Agência Brasil

Im Zuge der anhaltenden Ermittlungen um Verwicklungen von ehemaligen führenden Angestellten des staatlichen Erdölunternehmens Petrobras tauschte Präsidentin Dilma Rousseff vergangene Woche den gesamten Vorstand des Unternehmens unter Vorsitz ihrer Vertrauten Graça Foster aus. Eine umgehende Neubesetzung des Vorstandspostens erwies sich zunächst als schwierig, weil keiner der Kandidaten für die Nachfolge das Unternehmen in der jetzigen Situation übernehmen wollte, wie Medien berichteten.

Nun hat die Regierung einen Bankmanager in das Amt berufen. Der Vorsitzende der ebenfalls staatlichen Banco do Brasil, Aldemir Bendine, werde den Vorsitz des krisengeschüttelten Erdölunternehmens übernehmen, wie ein Regierungssprecher am Freitag (06.02.15) bekannt gab. Mit wenigen Stunden im Amt kündigte der neue Vorsitzende der Petrobras einen Drei-Punkte-Plan an, um den staatlichen Erdölkonzern gegen die negativen Auswirkungen des bisher „größten Korruptionsskandals des Landes abzuschirmen“, wie die Zeitung Valor Econômico schrieb (06.02.).

Angesichts sinkender Aktienwerte sei der Rückgewinn von Vertrauen in die Finanzprozesse von oberster Priorität. Zuletzt war von einem Unternehmensverlust durch die Korruptionsfälle in Höhe von 88 Milliarden Reais (rund 28 Milliarden Euro) gesprochen worden. Die Regierung hatte die Bilanzen des Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) jedoch eine „Stümperei“ genannt und eine Neuberechnung des Verlustes gefordert.

Aufgrund der Differenzen hinsichtlich der Berechnungsgrundlagen zwischen Petrobras und PwC konnte der Bilanzbericht für das letzte Quartal 2014 offiziell nicht vorgelegt werden. Bendine, so berichten die Medien, habe sein Wochenende nun damit verbracht, den 800-Seitenbericht zu lesen und die Berechnungsmethoden zu prüfen.

An zweiter Stelle soll der Finanzsektor des Unternehmens gestärkt werden. Ziel sei es, den Konzern mit einem “neuen Mix” von Geschäftsmöglichkeiten zu versehen. Das primär erdölfördernde Unternehmen soll nach Vorstellung des Banker Bendine seine Investitions- und Kapitalanlagenoptionen erweitern.

An dritter Stelle will der neue Amtsinhaber das Unternehmen besser vor den Ermittlungen schützen. Nach Auffassung Bendines habe Petrobras jedoch viel Transparenz walten lassen und mit den Ermittlungsbehörden von Bundespolizei und Bundesstaatsanwaltschaft gut zusammengearbeitet. (ms)

Quellen: Valor Econômico, OGlobo