Volkswagen Brasilien in der Kritik / Foto: Screenshot-Zitat ARD Mediathek VW do Brasil - DOPS

Der deutsche Autobauer Volkswagen (VW) soll die brasilianische Militärdiktatur, die in dem Land von 1964 bis 1985 herrschte, unterstützt haben. Offenbar hat sich das Unternehmen aktiv an politischer Verfolgung und Unterdrückung von Regimegegnern beteiligt. Die 1953 gegründete Konzerntochter VW do Brasil habe ihre eigenen Mitarbeiter und deren politische Gesinnung ausgespäht, so ein Bericht der ARD.

Brasilianische Mitarbeiter von VW seien von der damaligen politischen Polizei Brasiliens, dem sogenannten Departamento de Ordem Política e Social (kurz: DOPS) auf dem Firmengelände festgenommen und einige seien anschließend von der DOPS gefoltert worden, nachdem der VW-„Werkschutz“ Informationen über oppositionelle Mitarbeiter an die DOPS übermittelt habe. Der VW-Vorstand in Wolfsburg soll spätestens 1979 von Verhaftungen im brasilianischen Werk des Konzerns erfahren haben.

Die ARD beruft sich bei ihren Recherchen unter anderem auf Akten der politischen Polizei der Militärdiktatur, interne VW-Unternehmenspapiere, Zeugenberichte sowie auf Berichte des Auswärtigen Amtes.

VW will sich dem Bericht zufolge aktuell nicht zu den Vorwürfen äußern und verweist auf ein Gutachten zur Rolle des Unternehmens während der Militärdiktatur in Brasilien, welches der Konzern bei dem Historiker Prof. Dr. Christopher Kopper beauftragt hat. Kopper sagt in dem Bericht, dass es eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen dem „Werksschutz“ von VW do Brasil sowie der politischen Polizei gegeben und VW die „Verhaftungen zugelassen“ habe.

Kopper war mit dem Gutachten im Herbst 2016 von der Volkswagen AG beauftragt worden. Er solle „Licht in die dunklen Jahre der Militärdiktatur bringen sowie das Verhalten der damals Verantwortlichen in Brasilien und gegebenenfalls auch Deutschland aufklären lassen“, teilte der Autobauer damals mit. Seine Ergebnisse werden bis zum Ende dieses Jahres erwartet.

Carl Hahn, in den sechziger Jahren Aufsichtsrat von VW do Brasil und von 1982 bis 1993 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, äußert sich in dem Bericht, dass es Wichtigeres gäbe, als sich mit der Vergangenheit zu befassen. Weiter sagt er im Rahmen des Interviews über die Zusammenarbeit der VW AG mit der brasilianischen Militärdiktatur, dass wir [Deutschen] Über-Demokraten geworden seien.

Ehemalige Beschäftigte von VW do Brasil hatten dem Konzern schon im Jahre 2015 vorgeworfen, während der Militärdiktatur die Verfolgung und Folterung von Oppositionellen erlaubt zu haben. VW-Mitarbeiter hätten laut dem Bericht auch schwarze Listen von Regimekritikern erstellt und diese an andere Unternehmen übermittelt, damit diese dort nicht eingestellt würden.

Die Bundesstaatsanwaltschaft in Brasilien ermittelt, welche Verantwortung VW do Brasil für „Menschenrechtsverletzungen innerhalb des Werksgeländes zur Zeit der Militärdiktatur“ trägt. Mit einem Zwischenbericht der Ermittlungen wird noch in diesem Jahr gerechnet. Der zuständige brasilianische Bundesstaatsanwalt kritisiert im Bericht der ARD die mangelnde Kooperationsbereitschaft von VW im Rahmen der Ermittlungsarbeiten.

 
Zu sehen ist der Beitrag „Komplizen? – VW und die brasilianische Militärdiktatur“ in der ARD Mediathek unter folgenden Links:

a) auf Deutsch: http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Komplizen-VW-und-die-brasilianische-M/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=44669802

b) auf Portugiesisch: http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Komplizen-VW-und-die-brasilianische-M/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=44669766