Hauptsitz von Fitch in New York / Copyright: Fitch Group
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Die aktuellen Proteste in Brasilien werden die Regierungen der brasilianischen Kommunen und Bundesstaaten unter Druck setzen, Strukturreformen anzutreiben und mit der Bundesregierung über ihre Schulden zu verhandeln. Diese Einschätzung stammt aus einem Report der Risikoratingagentur Fitch, die am heutigen Freitag (28.06.) publiziert wurde. Fitch halte es allerdings für unwahrscheinlich, dass kurzfristig Maßnahmen bezüglich der Refinanzierung der Schulden ergriffen werden.

Fitch geht davon aus, dass die Reduktion der Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr die Regierung bei ihrer Verhandlungsposition stärken wird und zu einer Optimierung der Ausgaben insgesamt führen wird. Innerhalb der Diskussionen auf Bundesebene sieht Fitch die Reform der Steuer auf Waren und Dienstleistungen (Imposto Sobre Circulação de Mercadorias e Serviços, kurz: ICMS), neue Regelungen für den Beteiligungsfond der Bundesstaaten (Fundo de Participação dos Estados, kurz: FPE) sowie die Flexibilität der Rückzahlungskonditionen der Schulden an die Bundesregierung als besonders wichtig an.

Momentan vergibt Fitch an fünf brasilianische Staaten Risikoratings. São Paulo wird als „BBB“ eingestuft. Die Agentur stellt heraus, dass der Bund in Brasilien der Hauptgläubiger der bundesstaatlichen Regierungen ist, mit rund 75 Prozent der gesamten Schuldensumme. „Nach der Rücknahme der Erhöhung der Fahrpreise fordern die Demonstrationen jetzt auf Bundes-, Staaten- und Kommunenebene eine Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen, unabhängig von der politischen Orientierung der jeweiligen Regierung“, so Fitch. (tfb)