Benjamim Steinbruch, Präsident des Industrieverbandes São Paulo, befürchtet eine Deindustrialisierung Brasiliens / Copyright: Agência Brasil

Benjamim Steinbruch, Präsident des Industrieverbandes São Paulo, befürchtet eine Deindustrialisierung Brasiliens / Copyright: Agência Brasil

Wirtschaftsexperten zufolge läuft Brasilien trotz einer stabilien Wirtschaft Gefahr, eine Deindustrialisierung zu erleiden. Auf dem achten Wirtschafts-Forum, welches von der Stiftung Getúlio Vargas (Fundação Getúlio Vargas, kurz: FGV) initiiert wurde, äußerten gestern (26.09.) Teilnehmer die Sorge, dass durch die hohe Anzahl importierter Produkte die lokale Industrie an Bedeutung verliere und durch die ausländische Industrie ersetzt werde.

Laut Benjamin Steinbruch, Vize-Präsident des Industrieverbandes des Bundesstaates São Paulo (Federação das Indústrias de São Paulo, kurz: FIESP), liege das Risiko der Deindustrialisierung nicht an der Unfähigkeit der brasilianischen Wirtschaft, sondern daran, dass Brasilien momentan sehr teuer sei. Außerdem führte er an, dass die brasilianische Industrie große Schwierigkeiten habe, Produkte zu exportieren, da in Brasilien hergestellte Produkte oftmals nicht die Bedingungen erfüllen, um exportiert zu werden. Dies liege an verzerrten Zinsen, einer unsinnigen Steuerbelastung und unrealistischen Löhnen.

In diesem Zusammenhang befand Steinbruch die Entscheidung der brasilianischen Zentralbank (Banco Central, kurz: BC), den Leitzins zu senken, als positiv und führte an, dass dieser Schritt bereits zu einem früheren Zeitpunkt hätte erfolgen können.

Der Leiter des brasilianischen Instituts für Studien industrieller Entwicklung (Instituto de Estudos para o Desenvolvimento Industrial, kurz: IEDI), Pedro Luiz Barreiras Passos, beurteilte die Situation der brasilianischen Industrie als kritisch. Zudem forderte er die Regierung auf, Maßnahmen auszuweiten, um die nationale Industrie zu stärken, da sie zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit verliere. (gp)