Der Präsident des Missionsrates der Indigenen, Cimi, Pater Erwin Kräutler stellt den Bericht zu Gewalt gegen Indigene vor. / Copyright: Agência Brasil Der Präsident des Missionsrates der Indigenen, Cimi, Pater Erwin Kräutler stellt den Bericht zu Gewalt gegen Indigene vor. Agência Brasil

Landkonflikte haben in Brasilien im vergangenen Jahr dramatisch zu genommen. Die Zahl der Morde an Indigenen stieg in 2014 enorm an, wie die Zeitung O Globo unter Berufung auf den Missionsrat der Indigenen (Consejo Indigenista Misionero, Cimi) berichtete. Demnach ist die Mordrate an Indigenen im ganzen Land um 32,1 Prozent gegenüber 2013 hochgeschnellt. Insgesamt sind 70 Fälle registriert worden, während es im Vorjahr noch 53 gewesen waren.

Die Ursache der Todesfälle, so der Cimi-Bericht, liegt in der Regel in Auseinandersetzungen zwischen Agrarproduzenten und Indigenen um Land. Ungeklärte Landtitel und das Vordringen in indigene Territorien führten zu Konflikten mit zunehmend tödlichem Ausgang. Die Mehrzahl der Morde hat sich im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, einem der Schwerpunkt der industriellen Landwirtschaft in Brasilien, ereignet. Hier wurden laut Cimi 25 Indigene ermordet. Dem folgen die Bundesstaaten Bahía mit 15 und Amazonas mit zehn Mordfällen. Zudem gibt es noch 31 weitere Fälle des versuchten Mordes und insgesamt 295 Gewaltopfer.

Die Zahlen gehen aus dem jährlichen Bericht des Missionsrats der Indigenen hervor, der sich wiederum auf offizielle Informationen wie Anklagen, Verurteilungen und Zeitungsberichte bezieht. Allerdings besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr ist zu vermuten, dass viele Fälle in abgelegenen Regionen nicht bekannt wurden und die Dunkelziffer noch höher liegt.

Der Missionsrat der Indigenen, der der Landesbischofskonferenz (Conferência Nacional dos Bispos do Brasil (CNBB) untersteht, macht vor allem die Bundesregierung für die Verbrechen verantwortlich, so O Globo. Demnach griffen die Bundesbehörden vielerorts nicht genug in die lokalen Konflikte ein. (ms)

Quelle: O Globo