In 2012 kamen in Brasilien mehr als 56.000 Menschen durch Mord um. / Copyright: Wikimedia Commons, Michael Kneisch
In 2012 kamen in Brasilien mehr als 56.000 Menschen durch Mord um. / Copyright: Wikimedia Commons, Michael Kneisch

In 2012 kamen in Brasilien mehr als 56.000 Menschen durch Mord um. / Copyright: Wikimedia Commons, Michael Kneisch

Wie aus der „Karte der Gewalt 2014“ hervorgeht, starben 2012 in Brasilien 112.709 Menschen in Gewaltsituationen. Das heißt auf 100.000 Einwohner kommen 58,1 Tote durch Gewalt, was dem höchsten Wert seit Beginn der Messung entspricht. Von der Gesamtzahl der Opfer kamen 56.337 durch Mord um, 46.051 durch Verkehrsunfälle (neben Unfällen auf Landstraßen werden hierzu auch Flugzeug- und Schiffsunglücke gezählt) sowie 10.321 durch einen Selbstmord.

Zwischen 2002 und 2012 stieg die Zahl der Mordopfer laut dem Informationssystem zur Sterblichkeitsrate des Gesundheitsministeriums von 49.695 auf 56.337 an, was ebenfalls die bislang höchste Anzahl ist. Dabei waren in 53,4 Prozent der Fälle junge Menschen die Opfer, was einen weiteren Trend zeigt: die meisten Opfer sind zwischen 15 und 29 Jahre alt. Die Rate der Mordopfer in dieser Altersgruppe ist von 19,6 in 1980 auf 57,6 in 2012 auf 100.000 Einwohner gerechnet angestiegen.

Nach Angaben des Studienverantwortlichen Julio Jacobo Waiselfisz, Koordinator für Gewaltstudien an der lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften, ist es bislang noch nicht möglich zu sagen, ob der rasante Anstieg 2012 eine Ausnahme war oder ob es sich tatsächlich um eine neue Tendenz handelt. Er zählt Beispiele auf, die zu dem Anstieg geführt haben können wie Streiks der Mitarbeiter bei Sicherheitskräften oder Anschläge von organisierten Verbrechergruppen.

Ein Trend, der sich bereits bestätigt hat, ist die Verbreitung von Gewalt in verschiedenen Regionen und Städten: Zwischen 2002 und 2012 hat die Gewalt quantitativ nicht nur im Südosten des Landes zugenommen. Auch die Regionen Nord und Nordost haben einen deutlichen Anstieg der Gewalt erfahren müssen. Im Norden beispielsweise wurden in 2012 6.098 Morde registriert, mehr als das doppelte der Anzahl in 2002 von 2.937. In den Bundesstaaten Amazonas, Pará und Tocantins hat sich die Zahl der gemeldeten Morde im betrachteten Zeitraum verdoppelt, im Nordosten, in Maranhão, Bahia und Rio Grande do Norte mehr als verdreifacht. (ls)