In Brasilien sind Frauen in der Politik immer noch stark unterrepräsentiert / Copyright: Wikimedia Creative Commons, José Cruz
In Brasilien sind Frauen in der Politik immer noch stark unterrepräsentiert / Copyright: Wikimedia Creative Commons, José Cruz

In Brasilien sind Frauen in der Politik immer noch stark unterrepräsentiert / Copyright: Wikimedia Creative Commons, José Cruz

Nach Informationen des Internationalen Forums herrscht in Brasilien die größte Geschlechterungleichheit ganz Südamerikas bezüglich der gerechten Verteilung politischer Ämter. In den Rathäusern des Landes sind Frauen nicht signifikant vertreten. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2008 wurden von mehr als 51.000 Ämtern nur rund 6.500 durch Frauen bekleidet. Bei den diesjährigen Kommunalwahlen wurden immerhin 7.655 Posten von Frauen besetzt. Dem Global Gender Gap Report nach zu urteilen, der 2011 veröffentlicht wurde, befindet sich Brasilien im internationalen Vergleich auf Rang 87.

Der Demograph José Eustáquio Diniz Alves der Nationalen Schule für statistische Wissenschaften (Escola Nacional de Ciências Estatísticas, kurz: ENCE) erklärte, dass es sich in Brasilien um einen extrem langsamen Angleichungsrythmus handele. Würde dieser Rhythmus beibehalten, so erreiche Brasilien erst in 148 Jahren eine ausgeglichene Geschlechterverteilung in der Politik. Alves betonte, dass die Internationale Frauenkonferenz im Jahr 1995 in vielen Ländern dazu geführt habe, dass Quoten eingeführt wurden. In Argentinien und Costa Rica habe die Quotenpolitik dazu geführt, dass rund 40 Prozent der politischen Ämter von Frauen besetzt werden. In Brasilien kommt man bislang nicht über 15 Prozent hinaus.

Die Soziologin Fátima Pacheco Jordão der Universität von Rio de Janeiro (Universidade Estadual do Rio de Janeiro, kurz: UERJ) erachtet die Angleichung der Geschlechterverteilung als unablässlich. Sie tritt für eine höhere Beachtung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, in den Gewerkschaften und der Politik ein. Sie erklärt jedoch, dass sich Brasilien erst daran gewöhnen müsse, Frauen in starken Positionen vertreten zu sehen. Erst seit wenigen Jahren habe Brasilien beispielsweise Dilma Rousseff als Referenz, argumentiert die Soziologin, Länder wie Argentinien hätten bereits vor vielen Jahrzehnten Eva Perón als starke politische Führungskraft kennengelernt.

Ob angesichts der geringen Repräsentation von Frauen in der Politik in Brasilien zukünftig eine Quote eingeführt wird, ist derzeit noch nicht klar. (sg)