Brasilien zahlte in den letzten vier Jahren höhere Gehälter als mit der Produktion ausgeglichen werden konnte / Copyright: Agência Brasil
Brasilien zahlte in den letzten vier Jahren höhere Gehälter als mit der Produktion ausgeglichen werden konnte / Copyright: Agência Brasil

Brasilien zahlte in den letzten vier Jahren höhere Gehälter als mit der Produktion ausgeglichen werden konnte. / Copyright: Agência Brasil

Laut neuster Studie des Industrieverbandes des Bundesstaates von Rio de Janeiro FIRJAN (Federação das Indústrias do Estado do Rio de Janeiro) sind die Arbeitskosten in der Fertigungsindustrie in den Jahren 2010 bis 2014 um 11,6 Prozent gestiegen. Der Leiter der Statistikabteilung Guilherme Mercês erklärt diese Veränderung mit den erhöhten Kosten nach der internationalen Krise. „Die brasilianische Industrie bezahlte mehr für Arbeiter, die weniger in einer Arbeitsstunde produzierten.“ In den vier Jahren vor der Krise hätte es dagegen noch eine Verringerung der Kosten um 1,4 Prozent gegeben.

Von den 15 analysierten Bereichen zeigten 13 erhöhte Arbeitslohnkosten. Dabei fiel besonders die Textilbranche auf mit einem Anstieg von 28,2 Prozent der Kosten. Diese Branche litt auch unter der starken Konkurrenz importierter Produkte. Bei den Transportmitteln gab es eine Erhöhung um 27,7 Prozent, mit Fokus auf der Automobilindustrie.

Marcês zufolge könnten sich diese Ergebnisse auch in der Handelsbilanz widerspiegeln. „Es sind Industriezweige mit großen Konkurrenzschwierigkeiten auf dem internationalen Markt.“ Die einzigen Bereiche, bei denen eine Verringerung der Kosten festgestellt wurde, sind die Holzindustrie (- 18,9 Prozent) sowie die Erdölraffinerie und Biokraftstoffe (- 0,3 Prozent).

Im Vergleich zwischen neun Ländern (Brasilien, USA, Frankreich, England, Italien, Spanien, Portugal, Kolumbien und Mexiko) steht Brasilien an erster Stelle mit den höchsten Arbeitskosten, gefolgt von Frankreich (5,8 Prozent) und England (5,2 Prozent). Verglichen mit Kolumbien und Mexiko, die ähnliche wirtschaftliche Strukturen wie Brasilien aufweisen, liegt Brasilien leider auch an erster Stelle, da die anderen beiden Länder politische Maßnahmen gefunden haben, um die Arbeitslohnkosten zu reduzieren. In Kolumbien sanken die Kosten so um 12,7 Prozent, in Mexiko um 6,3 Prozent.

Für den Wirtschaftsexperten zeigen diese Entwicklungen, dass eine weitreichende Arbeitsreform im Land notwendig ist: „Brasilien weist ein Arbeiterrecht auf, das über 70 Jahre alt ist und das nicht an die Realität des aktuellen Arbeitsmarktes angeglichen ist.“ (ds)