Die Zentral des Industrieverbandes von São Paulo, Fiesp, auf der Avenida Paulista. / Copyright WikiCommons Autor: Rosana Maria Machado Marques
Die Zentral des Industrieverbandes von São Paulo, Fiesp, auf der Avenida Paulista. / Copyright WikiCommons Autor: Rosana Maria Machado Marques

Die Zentrale des Industrieverbandes von São Paulo, Fiesp, auf der Avenida Paulista. /Copyright: Wikimedia Commons, Rosana Maria Machado Marques

Mitglieder des Industrieverbandes von São Paulo, der Federação das Indústrias do Estado de São Paulo (kurz: Fiesp), sollen nach Informationen der brasilianischen Tageszeitung Folha de S.Paulo maßgeblich am Militärputsch 1964 beteiligt gewesen sein. Dies belegen vor kurzem entdeckte Dokumente, wie die Zeitung am 1. Juni berichtete. Die Unterlagen stammen aus dem Archiv der bedeutendsten Militärakademie des Landes, der Escola Superior de Guerra (ESG), und legen nahe, dass dem Wirtschaftsverband Fiesp nahe stehende Unternehmer massiv an den Vorbereitungen des Staatsstreichs von 1964 beteiligt waren. Dem Putsch am 31. März 1964 gegen den demokratisch gewählten Präsidenten João Goulart folgten 21 Jahre Militärdiktatur.

Die gesichteten Dokumente sind Niederschriften von Vorträgen, Konferenzen sowie einzelnen Aufsätzen, die zu Beginn der 1970er Jahre von Industriellen und Unternehmervertretern an der Zentrale der Militärakademie in Rio de Janeiro gehalten wurden. Die Dokumente belegten, wie die Fiesp „mit Blick auf den Staatsstreich von `64 diesen in seiner Vorbereitung logistisch unterstützt“ habe, so die Folha de S.Paulo.

An anderer Stelle zeigten die Archivunterlagen, wie ein Vertreter des Industrieverbandes gegenüber den Militärs damit geprahlt habe, wie die Fiesp und seine Kollegen die Streitkräfte mit „Fahrzeugen, Autozylindern, Autobatterien, Medikamenten, LKWs und unendlich vielen Bestandteilen und Ausrüstungen im Werte von 1.000.000 Novos Cruzeiros“ ausgestattet hätten. Laut Folha entspricht dieser Wert heute etwa fünf Millionen Reais (circa 1,63 Millionen Euro).

Die Vorwürfe wollte die Fiesp gegenüber der Presse nicht kommentieren und verwies hingegen darauf, dass keiner der aktuellen Vorsitzenden damals tätig gewesen sei. Bereits im Februar 2014 und April hatte die Wahrheitskommission, die mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur beauftragt ist, einige Verstrickungen von Industrie und Militärs öffentlich gemacht (BrasilNews berichtete, 19.05.2014). (ms)