Thiago Martinez, IPEA / Copyright: Agência Brasil

Thiago Martinez, IPEA / Copyright: Agência Brasil

Die Preise für Nahrungsmittel, Getränke und Dienstleistungen haben am stärksten die Inflation in den letzten Jahren beeinflusst, die immer über dem von der Regierung festgelegtem Ziel gelegen hat. Das berichtete gestern (21.07.) das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada, kurz: IPEA). Seit 2005 liege der Zielwert der jährlichen Inflationsrate bei 4,5%, der über den nationalen Verbraucher-Preis-Index (Índice Nacional de Preços ao Consumidor Amplo, kurz: IPCA) ermittelt wird und um zwei Prozentpunkte variieren darf.

Die Analyse des IPEA hinsichtlich des Verhaltens der Inflation wurde gestern in dem Dokument „Die Dynamik der brasilianischen Inflation: Überlegungen seit des Zusammenbruchs des IPCA“ veröffentlicht. Laut Fachleuten des Instituts zeigen die Ausschläge des IPCA seit 2007 eine klare Struktur, bei der die steigenden Preise von Nahrungsmitteln, Getränken und Services den prominentesten Anteil haben.

Im Gegensatz dazu hatten langfristig vertraglich vereinbarte oder von der Regierung beeinflusste Preise (Kraftstoffe, Strom, Telefon, Bildung, Wasser, sanitäre Einrichtungen, öffentlichen Verkehrsmittel und andere) geringere Steigerungen in der Zeit und trugen zur Senkung der Inflation bei. Ebenso lagen die Preise von Industriegütern unter dem Inflationsziel, was den inflationären Druck der Nahrungsmittel, Getränke und Dienstleistungen etwas abschwächte.

Die Untersuchung des IPEA stellt weiterhin fest, dass das Wachstum des Binnenmarktes verbunden mit Einkommensumverteilungen, der Armutsbekämpfung und der stärkeren Vergabe von Krediten auch Auswirkungen auf die Inflation habe. Dies ließe sich insbesondere bei den Dienstleistungen feststellen, deren Preise „empfindlich auf den Mindestlohn und den Rückgang der Arbeitslosigkeit reagieren“. Außerdem lägen die Gehaltsanpassungen über dem Inflationsziel.

Der Inflationsdruck im Bereich der Dienstleistungen sei immer intensiver seit 2008 geworden, so das IPEA, und bliebe auch im Jahr 2009, im Jahr der Rezession, konstant hoch. Der Preisdruck auf Services sei im Jahr 2010 sogar noch deutlicher geworden wegen einer „Überhitzung der Wirtschaft“, wie es in der Erklärung des IPEA heißt.

Diese „Erwärmung“ sei gesund, allerdings vorwiegend in Bereichen, in denen es Skaleneffekte gebe. So zum Beispiel bei industriellen Gebrauchsgütern, bei denen die Ausweitung der Nachfrage sowie die vermehrte Gewährung von Verbraucherkrediten zu Produktivitätssteigerungen führte, insbesondere in der Automobilindustrie. Das IPEA weißt jedoch darauf hin, dass diese Preisentwicklungen auch aufgrund der Aufwertung des Real gegenüber dem Dollar stattfanden. (tfb)