Brasilianische Kleinunternehmen machen häufig Fehler in der Buchhaltung. / Copyright: Wikimedia Commons
Brasilianische Kleinunternehmen machen häufig Fehler in der Buchhaltung. / Copyright: Wikimedia Commons

Brasilianische Kleinunternehmen machen häufig Fehler in der Buchhaltung. / Copyright: Wikimedia Commons

Ein eigenes Unternehmen zu gründen scheint die perfekte Lösung für alle, die selbst Chef sein und gleichzeitig die Wirtschaft unterstützen wollen, indem sie Arbeitsplätze schaffen und die Produktionsleistung des Landes steigern. Allerdings verpflichtet dieser Schritt auch zu Sorgfalt und einer genauen Geschäftsplanung. So ein professionelles Management fehlte allerdings vielen Mikro- und Kleinunternehmen in Brasilien, sagen Experten, wodurch ihr Überleben gefährdet sei. Dem brasilianischen Service-Support für Mikro- und Kleinunternehmen (Serviço Brasileiro de Apoio às Micro e Pequenas Empresas, kurz: Sebrae) zufolge liegt die Sterblichkeitsrate der Unternehmen mit mindestens zwei Jahren Geschäftstätigkeit bei 24,6 Prozent. Das heißt, eins von vier Unternehmen schließt bereits in den ersten zwei Jahren nach Gründung – der größte Teil wegen eines schlechten Managements.

Das größte Problem ist dabei die Vermischung von persönlichem Vermögen der Firmeneigentümer und dem Geld des Unternehmens. Weil es keine ordentliche Buchführung gibt, können die Unternehmen kaum Investitionen tätigen. Dieses Problem betreffe dabei nicht nur Familienunternehmen, sagen Experten, sondern den Großteil der Unternehmen. „Ohne eine klare Trennung zwischen dem Vermögen des Eigentümers und des Unternehmens entnehmen die Chefs oder Partner Geld aus der Kasse ohne einen Überblick über die Ausgaben zu haben und gefährden so die Buchhaltung des Unternehmens“, warnt Unternehmensberater Marcello Lopes. Ihm zufolge müssen die Eigentümer wissen, wie viel Geld sich in der Unternehmenskasse befindet. Nur mit diesem Wissen dürften sie definieren, wie hoch die Entnahmen ausfallen können. „Der Eigentümer kann nicht einfach so viel nehmen, wie er will, denn am Ende hängt der Firmenerfolg vom Gewinn ab“, fügt er hinzu.

Nach der Gesetzeslage zahlen Unternehmen, die im Jahr nicht mehr als 3,6 Millionen Reais (10,84 Millionen Euro) erwirtschaften, Bundes-, Staaten- und Städtesteuern über das System „Simples Nacional“. Lopes zufolge erleichtere dieses vereinfachte Besteuerungssystem zwar einerseits die Geschäfte der Unternehmen, andererseits halte es die Kleinunternehmen aber auch davon ab, sich ein professionelles Management zuzulegen. „Im System „Simples Nacional“ genügt ein einfaches Kassenbuch, um die Steuern zu begleichen. Das darf aber nicht bedeuten, dass die Unternehmen nachlässig mit der Verwaltung und der Buchführung umgehen“, sagt er. (ls)