„Die Brasilianer lieben es, sich abends nach getaner Arbeit in die Welt der Telenovelas zu begeben. Schöne Menschen spielen die ewige Geschichte von Gut und Böse, wobei Gut am Ende siegt und sich Erleichterung in den Millionen Haushalten des Landes breitmacht. Die Telenovelas sind derart wichtig – auch in sozialer Hinsicht –, dass der Unterbruch durch die Nachrichtensendung bisweilen fast als störend empfunden wird.

In den kommenden Wochen werden sich allerdings auch die brasilianischen Nachrichtensendungen in Novelas verwandeln. Dafür werden die über 500 Journalisten sorgen, die sich beim Obersten Bundesgericht akkreditiert haben, um über den Jahrhundertprozess um den Mensalão-Skandal zu berichten. Das Staraufgebot ist kaum zu übertreffen: Auf der Anklagebank sitzen 38 illustre Personen aus Politik und Wirtschaft, unter ihnen ehemalige Spitzenfunktionäre des regierenden Partido dos Trabalhadores (PT), Parlamentarier, Banker und Unternehmer sowie der frühere Kabinettschef. Sie werden beschuldigt, zwischen 2003 und 2005 unter dem damaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula ein weitreichendes Korruptionsnetz aufgebaut und davon profitiert zu haben. Der PT soll illegal einen millionenschweren Geheimfonds angehäuft und sich mit Schmiergeldzahlungen die Unterstützung verschiedener Parlamentarier erkauft haben.“ (NZZ Online)

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