Mit der Favela-Problematik hat Rio de Janeiro weiterhin zu kämpfen / Copyright: Wikimedia Creative Commons, Alicia Nijdam
Mit der Favela-Problematik hat Rio de Janeiro weiterhin zu kämpfen / Copyright: Wikimedia Creative Commons, Alicia Nijdam

Mit der Favela-Problematik hat Rio de Janeiro weiterhin zu kämpfen / Copyright: Wikimedia Creative Commons, Alicia Nijdam

Die Situation in der Favela Nova Holanda im Norden Rio de Janeiros bleibt weiter angespannt. Am Montagabend war es zu einer Schießerei zwischen Drogenhändlern und der Spezialeinheit der Polizei (Batalhão de Operações Especiais, kurz: Bope) gekommen, bei denen neun Menschen starben und weitere sechs verletzt wurden. Am Dienstag kam es erneut zu einer Schießerei. Drei weitere Personen liegen aufgrund ihrer Verletzungen im Krankenhaus.

Zwar öffneten heute Schulen und Geschäfte wieder ihre Türen, allerdings blieben viele Bewohner  aus Angst in ihren Häusern. Bei der Auseinandersetzung wurden auch die elektrischen Leitungen stark beschädigt – ein Teil der Favela ist weiterhin ohne Strom. Die Militärpolizei (Polícia Militar) und die Nationalen Sicherheitskräfte (Força Nacional de Segurança) sperrten nun die Favela ab, was die Unsicherheit der Bewohner weiter verstärkte. Mehr als 100 Angehörige der Militärpolizei waren dabei im Einsatz.

Ursprünglich war eine Befriedung der Favela geplant, so wie sie bereits in den beiden Favelas Manguinhos und Jacarezinho durchgeführt wurde. Damals stürmte ebenfalls die Spezialeinheit Bope das Gebiet und nahm zahlreiche Drogenhändler und andere Kriminelle fest. Danach wurde eine Einheit der sogenannten Befriedungspolizei (Polícia Pacificadora) in die Favelas geschickt, um langfristig Vertrauen zu den Bewohnern aufzubauen und für Ruhe zu sorgen.

Dem Einsatz dieser Einheiten und dem gesamten Befriedungsprozess der Favelas stehen viele jedoch kritisch gegenüber. Vor allem Bewohner und Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass über die Köpfe der Anwohner hinweg entschieden wird und keine Einbindung stattfindet. Außerdem fürchten viele Leute, dass die Befriedung der Favelas nur ein kurzfristiges Projekt der Regierung sei, um Rio de Janeiro international als vollkommen sicher erscheinen zu lassen. (sg)