Die Proteste am Sonntag (16.08.) in São Paulo. / Copyright: Agência Brasil Die Proteste am Sonntag (16.08.) in São Paulo. /Copyright: Agência Brasil

In vielen Städten Brasiliens ist es am Sonntag (16.08.) zu Protesten gegen die Regierung und gegen Korruption im Land gekommen. Die größten Demonstrationen fanden in Rio de Janeiro, Brasília, São Paulo und Belo Horizonte statt. Dort nahm auch der frühere Präsidentschaftskandidat und Oppositionsführer im Parlament, Aécio Neves (PSDB), zum ersten Mal an einem Protestmarsch gegen die Regierung teil, berichtet die Zeitung Valor Econômico.

Insgesamt ist in 24 Bundesstaaten protestiert worden. Dabei sind Presseberichten zufolge die Teilnehmerzahlen allerdings unter denen der vergangenen Proteste im März dieses Jahres geblieben. Auf den meisten Demonstrationen forderten die Teilnehmer ein Ende der Korruption. Vereinzelt wurde wie auch bei den vorherigen Protesten ein Amtsenthebungsverfahren der Präsidentin Dilma Rousseff gefordert (BrasilNews berichtete, 16.03.15).

Darüber hinaus kam es vielerorts zu Sympathie-Bekundungen für den Bundesstaatsanwalt Sérgio Moro. Dieser ist für das Ermittlungsverfahren „Lava Jato“ verantwortlich. Die Operation Lava Jato der Bundesstaatsanwaltschaft (Ministério Público Federal) untersucht seit vielen Monaten die Verflechtungen von Korruption zwischen dem halbstaatlichen Mineralölkonzern Petrobras, führenden Politikern und Bauunternehmen. Die Ermittlungen seitens der MPF legten bereits ein dichtes Netz an Scheinfirmen und Untervertragsnehmern offen.

Angesichts der Zielsetzung der Proteste zeigte sich die Regierung besorgt, dass die Verantwortung für die Korruption vor allem Präsidentin Dilma Rousseff und der Regierungspartei PT zugeschoben werde, wie die Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtet (16.08.). Der wichtigste der 13 Koalitionspartner der PT, die rechts-konservative Partei PMDB, die bereits in den Vorgängerregierungen vertreten war, steht stattdessen nicht im Fokus der Proteste.

Unterdessen sind von den Demos keine Zwischenfälle gemeldet worden. Die Veranstalter der Proteste kündigten für Anfang September die nächsten Demonstrationen an. (ms)

Quellen: Valor Econômico und Agência Brasil