Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff gibt die Liste mit den ersten 50 privaten Häfen bekannt / Copyright: Agência Brasil
Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff gibt die Liste mit den ersten 50 privaten Häfen bekannt / Copyright: Agência Brasil

Angesichts des hohen Kurses des US-Dollar versprach Präsidentin Dilma Rousseff, dass Brasilien „noch eine Kugel im Lauf“ habe. / Copyright: Agência Brasil

Nachdem sich der US-Dollar gegenüber dem brasilianischen Real zuletzt weiterhin verteuert hatte, setzte die Zentralbank den brasilianischen Leitzins (Selic) am gestrigen Donnerstag (30.08.) von 9 Prozentpunkten auf 9,5 Prozent hoch. Laut Berichten der Tageszeitungen Folha de São Paulo wurde dieser Schritt von Bankenvertretern bereits erwartet. Diese werten den Schritt als richtig, um der Entwertung der heimischen Währung entgegen zu steuern. Ein Vertrauensverlust in die Stabilität durch einen inflationären und unsicheren Real würde für Anleger weitaus kritischer gesehen als ein teurer, aber stabiler Real, wie Alberto Ramos, Ökonom bei Goldman Sachs gegenüber der Zeitung äußerte.

Da der Schritt der Leitzinsanhebung von der Wirtschaftswelt bereits erwartet wurde, waren die Auswirkungen auf die Börsenaktivitäten diesmal nur minimal. Der wichtigste Index der Börse in São Paulo, Ibovespa, stieg sogar um 1,17 Prozentpunkte an. Die Börsenvertreter begrüßten, dass die Zentralbank ihren Schritt nicht mit vielen Absichtserklärungen und Begründungen umwarb oder andere Schritte ankündigte. Dies sorge für Ruhe in der Finanzwelt, wie David Beker von der Bank of America betonte. Zudem folge der hohe Kurs des US-Dollar ohnehin nur globalen Entwicklungen.

Trotz der Maßnahme kletterte der US-Dollar weiter um 0,92 Prozent auf 2,359 Reais (circa 32 Eurocent). Die Finanzvertreter rechnen demzufolge mit einer weiteren Leitzinsanhebung zum kommenden Treffen der Zentralbank im Oktober. Seit Jahresbeginn verlor der Real gegenüber dem US-Dollar um 16 Prozent an Wert.

Unterdessen betonte Präsidentin Dilma Rousseff mit drastischen Worten, dass Brasilien „noch eine Kugel im Lauf habe“. Die Regierung nehme die Abwertung des Real gegenüber der Weltwährung nicht hin. Brasilien gehöre zu den neun Ländern mit den meisten US-Dollar-Reserven, so Rousseff. Nachdem sich Brasilien unter Lula vom Großteil seiner Auslandsschulden befreien konnte, habe es angefangen Reserven zu bilden. Das Land habe 372 Milliarden US-Dollar (circa 280 Milliarden Euro) unter seiner Matratze, so Rousseff weiter. Rund 54,5 Milliarden US-Dollar (circa 41 Milliarden Euro) werde Brasilien dazu verwenden, als Kredite auf den Markt zu bringen. Brasilien verpflichtet sich dabei, den US-Dollar für den gleichen Wert zurückzukaufen. Zudem unterliegen die Geschäfte dem swap-Modell, das gegen Kursverluste schützt. (ms)