Gewerkschafter von dem Sitz von Petrobras in Rio de Janeiro. / Copyright: Agência Brasil
Gewerkschafter von dem Sitz von Petrobras in Rio de Janeiro. / Copyright: Agência Brasil

Gewerkschafter von dem Sitz von Petrobras in Rio de Janeiro. / Copyright: Agência Brasil

Die polizeilichen und juristischen Untersuchungen zu dem Korruptionsskandal um den halbstaatlichen brasilianischen Erdölkonzern Petrobras zeigen weitreichende Konsequenzen für die Belegschaften beteiligter Unternehmen. Innerhalb der vergangenen zwei Monate seien rund 12.000 Beschäftigte wegen Zahlungsunfähigkeit der im Fokus der Ermittlungen stehenden Unternehmen entlassen worden, wie die Zeitung Estado de S.Paulo in ihrer Online-Ausgabe vom Sonntag (18.01.) berichtet.

Im Rahmen der Operation „Lava Jato“, zu deutsch etwa „Waschmaschine“ ermittelt die brasilianische Bundespolizei (Polícia Federal) gegen Unternehmen wegen Bestechung von Angestellten der Petrobras sowie der Beteiligung an einem Kartell (BrasilNews berichtete, 25.11.2014). Ermittelt wird des Weiteren wegen Preisabsprachen bei Ausschreibungen für die Vergabe der lukrativen Aufträge von Petrobras oder wegen der Gründung von Scheinfirmen und der Auftragsvergabe gegen Bestechung.

Da die Justiz inzwischen Vermögen von Beschuldigten und betroffenen Firmen einfror, stehen diese teilweise vor der Zahlungsunfähigkeit. Dadurch sind mittlerweile bis zu 12.000 Arbeiter und Angestellte der Unternehmen entlassen oder zwangsweise in den Urlaub versetzt worden. Des Weiteren ist es vielerorts zu Liefer- oder Bauunterbrechungen gekommen.

Die Situation ist gravierend, schreibt die Zeitung Estadão. Von einem auf den anderen Tag seien Tausende Arbeiter auf die Straße gesetzt worden. Viele würden vergebens auf ihre Löhne oder Entschädigungszahlungen warten. Am schlimmsten habe es die Großbaustellen, die Raffinerie Abreu e Lima im Bundesstaat Pernambuco und den Petrochemischen Komplex Comperj von Rio de Janeiro getroffen. Petrobras habe hier zig Verträge mit Subunternehmen laufen. All diese Verträge seien Teil der Ermittlungen und auf ihre Gültigkeit überprüft, so dass teilweise Stillstand herrsche. Laut dem Vertreter der Baugewerkschaft von Pernambuco (Sintepav), Leodelson Bastos, haben allein auf dem Bau der Raffinerie Abreu e Lima 5.000 Arbeiter ihre Anstellung verloren. In der Regel seien nur 58 Prozent der Entschädigungen geflossen, so Bastos.

Die Probleme begannen Anfang November 2014, als die Bundespolizei anfing, hochrangige Vertreter von Firmen, die von Petrobras beauftragt worden waren, festzunehmen (BrasilNews berichtete, 17.11.2014). Im Dezember wurde zudem 23 Firmen gerichtlich verboten, sich zukünftig an Ausschreibungen von Petrobras zu beteiligen. (ms)

Quelle: Estadão