Kinder mit Pausenbrot in einer Schule in Goias / Copyright: Wikipedia, Creative Commons, U. Niesert

Kinder mit Pausenbrot in einer Schule in Goias / Copyright: Wikipedia, Creative Commons, U. Niesert

Mit der gestrigen Ankündigung in 30.000 Schulen die Einrichtungen für die Ganztagsbetreuung noch in 2012 zu verbessern, hat die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff dem vielfachen Wunsch berufstätiger Brasilianer entsprochen. Die Initiative der Regierung soll für Kinder zwischen einem und neun Jahren Plätze in allen Regionen Brasiliens schaffen. Derzeit ist das Schulsystem Brasiliens vielerorts in eine Vormittags- und eine Nachmittagsklasse aufgeteilt, so dass von den Eltern entsprechend nachmittags oder vormittags selbst für eine Betreuung gesorgt werden muss. Für berufstätige Eltern ist dies oft nur durch innerfamiliäre Lösungen möglich. Für das Schulsystem bedeuten die doppelten Schichten aber auch, dass ein Klassenzimmer in Brasilien derzeit doppelt belegt ist.

Bisher werden nach Angaben der Regierung schon etwa 2,8 Millionen Kinder in Ganztagseinrichtungen betreut. Das von der Regierung aufgelegte Programm „Mehr Bildung“ (Programa Mais Educação) soll nun bis 2014 in 60.000 Schulen für den Ganztagsunterricht umgestalten. Bisher wurden bereits schon 15.000 Schulen durch das Programm Mais Educação umgebaut. Ziel des Programms ist es, die Kinder mit Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und sportlichen Aktivitäten mindestens sieben Stunden in der schulischen Betreuung zu haben, damit zum einen beiden Eltern die Berufstätigkeit ermöglicht wird, zum anderen sollen gezielte Nachhilfestunden in Mathematik oder anderen Fächern die schulische Leistung der Kinder insgesamt verbessern. Auch die Essensversorgung der Kinder übernimmt mit dann mindestens einer warmen Mahlzeit der brasilianische Staat.

Nach Angaben der Präsidentin Dilma Rousseff wird sich die Regierung den Umbau des Schulsystems rund 1,4 Milliarden Reais (ca. 600 Millionen Euro) bis zum Ende dieses Jahres kosten lassen. Derzeit können sich einzelne Gemeinden noch im Programm Mais Educação registrieren lassen, um von diesen Fördermaßnahmen zu profitieren. Priorisiert werden von dem Programm allerdings diejenigen Gemeinden, die einen höheren Anteil von Empfängern des Sozialprogramms bolsa familiar haben oder im landesweiten Vergleich der schulischen Leistung, dem Index der Entwicklung der Grundschulbildung (Índice de Desenvolvimento da Educação Básica, kurz:Ideb), einen geringen Vergleichswert erzielen konnten. (mas)