Kanzlerin Merkel und Präsidentin Rousseff am Mittwoch bei den ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen. / Copyright: Agência Brasil O vice-presidente Michel Temer e presidenta Dilma Rousseff recebem a chanceler da Alemanha, Angela Merkel, no Palácio da Alvorada (Valter Campanato/Agência Brasil)

Am Donnerstag (20.08.) gingen die ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen zu Ende. Zu dem zweitägigen Treffen beider Länder war Bundeskanzlerin Merkel am Mittwoch im Beisein von zwölf Ministern und Staatssekretären in die brasilianische Hauptstadt gereist (BrasilNews berichtete, 19.08.15). Dabei unterzeichneten beide Länder eine Klimaschutzerklärung, in der Brasilien Medienberichten zufolge verspricht gleich den G7-Staaten bis 2100 komplett aus der Nutzung von Kohle, Öl und Gas auszusteigen.

Weiterere Schwerpunkte des Treffens waren die Reform des UN-Sicherheitsrates und der Beginn eines strategischen Dialogs. Seit 2004 fordern Deutschland und Brasilien gemeinsam die Erweiterung des UN-Sicherheitsrates, in dem die beiden Länder auf einen ständigen Sitz für sich und andere Länder drängen.

Bei dem begonnenen „strategischen Dialog“ zwischen beiden Regierungen ging es lokalen Zeitungen zufolge darum, die deutsche Seite zu mehr Investitionen in die brasilianische Infrastruktur zu bewegen. Insbesondere erhofft sich die brasilianische Regierung eine deutsche Beteiligung am Investitionsprogramm für Logistik (Programa de Investimento em Logística), wie die Zeitung O Estado de S. Paulo berichtet. Das Logistik-Programm zielt vor allem auf die Erneuerung brasilianischer Häfen und Verkehrswege ab, wobei mit einem Gesamtinvestitionsbedarf von rund 200 Milliarden Reais (etwa 52 Mrd. Euro) gerechnet wird, so die Zeitung Estadão. Dilma Rousseff sieht in der Beteiligung ausländischer Investoren eine wesentliche Chance zur Sanierung der Hafenanlagen.

Die deutsche Seite wiederum erhoffte sich von den Gesprächen, seinen Wettbewerbsanteil in Brasilien auszubauen. Ziel ist es, zukünftig besser mit chinesischen Anbietern konkurrieren zu können. Deutschlands Interesse gilt dabei auch der Gewinnung von Seltenen Erden im brasilianischen Boden. Diese sind ein Grundbaustoff für die Hochtechnologie. Wie der Estadão schreibt, fehlen derzeit in Brasilien die adäquaten Mittel, um diese Erden zu fördern.

Zu einer Begegnung zwischen 20 Wirtschaftsvertretern und der Politik war es bereits am Mittwochabend gekommen. Bedeutende Verträge sind aber nicht abgeschlossen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Agência Brasil. Stattdessen ist für September dieses Jahres ein weiteres Wirtschaftstreffen geplant. (ms)

Quelle: O Estado de São Paulo und Agência Brasil