Der Koordinator der Wahrheitskommission, Pedro Dallari, nach der Befragung von Ex-Miliärs. /Copyright Agência Brasil
Der Koordinator der Wahrheitskommission, Pedro Dallari, nach der Befragung von Ex-Miliärs. /Copyright Agência Brasil

Der Koordinator der Wahrheitskommission, Pedro Dallari, nach der Befragung von Ex-Miliärs. / Copyright: Agência Brasil

Die Unterstützung zur Aufarbeitung von Verbrechen während der brasilianischen Militärdiktatur (1964 – 1985) durch ehemalige Militärs bleibt gering und wenig aufschlussreich. Zum wiederholten Male hatte die Nationale Wahrheitskommission (Comissão Nacional da Verdade, kurz: CNV) diese Woche frühere Angehörige von Marine, Luftwaffe und Armee geladen, damit diese bei der Aufklärung von Folterungen in militärischen Einrichtungen helfen. Doch die Militärs scheinen von Folter und Mord in den Kartellen nichts mitbekommen zu haben.

Am Mittwoch (30.07.) hörte die Wahrheitskommission zwei ehemalige Kommandeure der Luftwaffenbasis Galeão, Rio de Janeiro, an, wie die Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtet. Auf dem Luftwaffengelände sind zu Zeiten der Diktatur laut Erkenntnisse der Untersuchungen mindestens 15 Menschen unrechtmäßig eingesperrt und teilweise gefoltert worden. Im Mai 1971 wurde Stuart Angel, Mitglied der bewaffneten Widerstandsgruppe Movimento Revolucionário 8 de Outubro (MR-8), auf dem Gelände ermordet.

Die Militärs hatten vor Beginn der Sitzung erreicht, die Presse während der Befragungen auszuschließen. Der Koordinator der Kommission, Pedro Dallari, berichtete anschließend gegenüber der Presse. Laut dem Bericht des ehemaligen Kommandeurs, Leutnant Antônio da Motta Paes Júnior, hat dieser bei Übernahme des Kommandos im Jahre 1973 vom damaligen Minister für Luftfahrt Araripe Macedo sowie vom Luftwaffenmajor Paulo Sobral die klare Anweisung bekommen, sich nicht in Angelegenheiten und Aktivitäten der Sicherheit einzumischen, die vor Ort stattfanden. Diese seien in den Bereich des Nachrichtendienstes der Luftwaffe, dem Centro de Informação e Segurança da Aeronáutica (Cisa), gefallen, so der Bericht des Ex-Kommandeurs. Demnach wüsste da Motta Paes auch von keinen Folterungen.

Zuvor hatte das Mitglied der Kommission, José Carlos Dias, mit dem Brigadegeneral Jorge José de Carvalho gesprochen. Dieser war Kommandeur der Basis zwischen 1971 und 1972, der Hochzeit der Folteraktivitäten, unter anderem als Stuart Angel vor Ort ermordet wurde. Der General erklärte jedoch, dass er vornehmlich bürokratischen Arbeiten nachgegangen sei und seine Aktivitäten und die Cisa „absolut unabhängig“ voneinander gewesen sein. Er habe weder vom Mord an Stuart Angel noch von politischen Gefangenen auf der Basis Kenntnis gehabt, wie er gegenüber Kommissionsmitglied Dias erklärte. (ms)