Eine unter wenigen Ausnahmen: Jaime Antunes (rechts), Generaldirekter des Nationalarchivs, nimmt Akten alter Sicherheitsbehörden vom Minister des Sicherheitsdienstes des Präsidialamtes, General Jorge Armando Felix (links), entgegen. / Copyright: Agência Brasil
Eine unter wenigen Ausnahmen: Jaime Antunes (rechts), Generaldirekter des Nationalarchivs, nimmt Akten alter Sicherheitsbehörden vom Minister des Sicherheitsdienstes des Präsidialamtes, General Jorge Armando Felix (links), entgegen. / Copyright: Agência Brasil

Eine unter wenigen Ausnahmen: Jaime Antunes (rechts), Generaldirekter des Nationalarchivs, nimmt Akten alter Sicherheitsbehörden vom Minister des Sicherheitsdienstes des Präsidialamtes, General Jorge Armando Felix (links), entgegen. / Copyright: Agência Brasil

Wie am gestrigen Mittwoch (06.03.) bekannt wurde, scheinen bei mehr als 200 staatlichen Behörden die Archive aus der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) verschwunden zu sein. Laut Angaben des Nationalarchivs, das mit der Sammlung und Identifizierung der Archive beauftragt ist, habe es auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene rund 260 staatliche Sicherheitsorgane ausgemacht, die zu Zeiten des Militärregimes Akten anlegten und Informationen an den Nationalen Inlandsgeheimdienst (Serviço Nacional de Informações, kurz: SNI) weitergaben.

Doch gerade einmal von 53 dieser Behörden sei Aktenmaterial im Nationalarchiv dokumentiert. Beispielsweise würden die Archive im Fall des Nachrichtendienstes der Marine (Centro de Informações da Marinha) sowie des Heeres (Centro de Informações do Exército) aus dieser Zeit vermisst.

Wie der Generaldirektor des Nationalarchivs, Jaime Antunes, mitteilte, suche die Regierung bereits seit sechs Jahren nach den betreffenden Akten. Die Anweisung hatte damals Dilma Rousseff in ihrer Funktion als Ministerin des Präsidialamtes gegeben. Antunes kritisiert die Haltung mancher Behörden, wie beispielsweise das Verteidigungsministerium. Dieses behaupte, die Akten seien vernichtet worden, so Antunes. „Um Akten zu vernichten, muss es Einträge auf Aktenvernichtung geben. Doch wo sind diese? Diese seien auch vernichtet, hieße es dann aus den Ministerien“, umreißt Antunes das Dilemma.

Erst drei Tage zuvor (03.03.) war ein Bericht zu dem gleichen Thema in der brasilianischen Tageszeitung Folha de São Paulo erschienen. Darin werden die Schwierigkeiten bei der Einsicht von zugänglichen Archiven beschrieben. Häufig würde den Journalisten und Forschern nur eine zeitlich sehr limitierte Akteneinsicht gewährt. Zudem, so der Artikel in der Folha, sei die Sichtung des Materials nur unter Anleitung eines Behördenmitglieds möglich.

Am 15. Mai 2012 hatte die Regierung Rousseff das „Gesetz zum Zugang zur Information“ (Lei de Acesso à Informação) erlassen, das den ungehinderten Zugang zu Akten aus Zeiten der Diktatur regelt. Das Dekret war im Zusammenhang mit der Einsetzung der Wahrheitskommission am 16. Mai gleichen Jahres verabschiedet worden, um der Kommission die Arbeit überhaupt zu ermöglichen. Doch es scheint, dass der Apparat eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte zu Zeiten der Diktatur scheut. (ms)