Dilma Rouseff und andere Regierungsvertreter empfangen Studenten / Copyright: Agência Brasil

Dilma Rouseff und andere Regierungsvertreter empfangen Studenten / Copyright: Agência Brasil

Animiert durch die langanhaltenden Studentenproteste in Chile gingen gestern (01.09.) rund 3.000 brasilianische Studenten in Brasília auf die Straße, um unter anderem von der Regierung mehr Gelder für Bildung einzufordern.

In Chile finden seit Juni beinahe täglich Proteste statt, an denen sich allein in der Hauptstadt Santiago mehr als 200.000 Menschen beteiligen. Den Großteil der Demonstranten bilden Studenten, aber auch Professoren, Lehrer, Schüler sowie viele interessierte Bürger fordern eine Änderung des Bildungssystems. Dieses wurde unter Augusto Pinochet 1980 eingeführt und ist größtenteils privatisiert, was bedeutet, dass es enorm hohe Studiengebühren gibt. Ein Semester Ingenieurwissenschaften kostet beispielsweise durchschnittlich 1.600.000 chilenische Pesos (rund 2.385 Euro). Im Vergleich dazu liegt der chilenische Durchschnittslohn bei 373,221 Pesos (ca. 546 Euro) Um die hohen Studiengebühren bezahlen zu können müssen die chilenischen Studenten Kredite aufnehmen, die sie oft noch Jahrzehnte nach Abschluss ihres Studiums abbezahlen müssen.

Für eine der Anführerinnen der Proteste Camila Vallejo ziele das chilenische Bildungssystem vor allem darauf ab, die Ungleichheit zwischen den gesellschaftlichen Klassen zu verstärken. Das System sehe Bildung als Konsumgut an und nicht als universales Recht, erklärt sie.

Camila Vallejo verließ die chilenischen Proteste gestern für einen Tag, um die brasilianischen Studenten bei ihren Forderungen an die Regierung Dilma Rousseffs zu unterstützen. Organisiert wurden die Proteste vom Nationalen Verband der Studenten (União Nacional dos Estudantes, kurz: UNE). Nach einer Demonstration, die durch das Zentrum Brasílias führte, hofften die Studenten auf ein Treffen mit der Präsidentin.

Die Studenten fordern, dass die Regierung zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung investiere. Außerdem verlangen sie eine höhere Vergütung der Professoren und die Verbesserung der Räumlichkeiten an öffentlichen Universitäten.

Am Nachmittag empfing die Präsidentin schließlich den Anführer der UNE und weitere Studenten, die so die Möglichkeit bekamen, ihre Forderungen vorzutragen. Zwar seien sie angehört worden, aber eine Beurteilung habe es von Seiten der Präsidentin nicht gegeben, so der Sprecher der Studentenvereinigung Daniel Lliescu. Ob die Regierung positiv oder negativ auf die Forderungen reagieren werde, könne man noch nicht sagen, so Lliescu, aber immerhin habe man bei der Regierung Gehör gefunden. In der kommenden Woche hoffen die Studenten nun auf eine Zustimmung der Präsidentin. (sg)



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