Schulkinder aus Alto Paraíso im Bundesstaat Goiás in Uniform / Copyright: Creative Commons: UNiesert

Schulkinder aus Alto Paraíso im Bundesstaat Goiás in Uniform / Copyright: Creative Commons, UNiesert

Die junge neue brasilianische Mittelschicht mit einem familiären Einkommen zwischen 1.200 und 5.300 Reais (ca. 524 bis 2.300 Euro) hat mit einem Anteil von bis zu 77 Prozent eine zusätzliche Berufsausbildung durchlaufen und ist damit vor allem für den industriellen Bereich von großem Interesse. Dies ist ein Ergebnis einer vom nationalen Agentur für industrielle Ausbildung (Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial, kurz: Senai) und der Stiftung Getulio Vargas (Fundação Getulio Vargas, kurz: FGV) in Auftrag gegebene Studie auf Basis der Daten des brasilianischen Instituts für Geografie und Statistik (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística, kurz: IBGE).

Gerechnet wurden als Berufsausbildung dabei spezielle Kurse von 200 bis 400 Stunden zusätzlich zur schulischen Ausbildung. Wegen des hohen Anteils bei den Jugendlichen hat sich der Anteil der technisch spezialisierten Arbeitskräfte von 14 Prozent auf rund 25 Prozent seit 2004 entsprechend erhöht. Für den Senai als Auftraggeber der Studie sind diese Ergebnisse ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung der brasilianischen Industrie in den kommenden Jahren. Gekoppelt an die Erwartung, dass die verschiedenen Industriesektoren rund 648 Milliarden US-Dollar (ca. 489 Milliarden Euro) zwischen 2011 und 2015 investieren werden, wird der Senai auch die Aktivitäten in der technischen Ausbildung ausweiten.

Die derzeit rund 2,4 Millionen Plätze in den Kursen sollen bis 2014 auf vier Millionen ausgeweitet werden, um auch der Nachfrage nach qualifizieren Arbeitern im Industriebereich Rechnung tragen zu können. Neben den an sich guten Nachrichten aus der Studie, die vor allem die neue Mittelschicht betreffen, gibt es aber auch bedenkliche Einsichten aus den ausgewerteten Daten. Drei Viertel der brasilianischen Bevölkerung haben nach dieser Studie noch nie an einer Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen. Bis zu 70 Prozent davon, weil sie kein Interesse oder keine Notwendigkeit für eine weitere Qualifikation sehen. Auf der anderen Seite haben rund 37 Prozent der Personen, die eine Qualifizierung durchlaufen haben, im Anschluss daran keine Arbeit entsprechend ihrer Qualifikation gefunden.

Für die Auftraggeber liegen die letztlich bedenklichen Resultate für die Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen vor allem am brasilianischen Schulsystem. Von neun Millionen Schülern, die in die mittlere Bildungsebene wählen einsteigen, kommen nur rund sechs Millionen letztlich in die höhere Bildungsebene. (mas)