Händler des chinesischen Automobilherstellers Jac Motors / Copyright: Jac Motors

von Patrick Heitzmann, Rödl & Partner, São Paulo

Händler des chinesischen Automobilherstellers JAC Motors / Copyright: JAC Motors

In den Jahren 2010 und 2011 sind verstärkt chinesische Kraftfahrzeughersteller in den brasilianischen Kraftfahrzeugmarkt eingetreten. Trotz eines Importsteuersatzes von in der Regel 35% konnten chinesische Marken wie Chery oder JAC ihre importierten Autos deutlich günstiger anbieten als die lokalen Hersteller. Zum Schutz der nationalen Automobilindustrie wurde von der brasilianischen Präsidentin die Verordnung Nr. 7.567 erlassen, die die Industrieproduktsteuer (Imposto sobre Produtos Industrializados – IPI) auf importierte und national hergestellte Autos um 30%-Punkte erhöht. Der IPI Höchstsatz wurde durch diese Verordnung folglich von 25% auf 55% erhöht.

Nationale Kraftfahrzeughersteller können jedoch von einer IPI-Steuerreduzierung in Höhe von 30% Gebrauch machen, um letzten Endes der IPI-Erhöhung vollständig zu entgehen. Dazu müssen jedoch die von der Verordnung Nr. 7.567 vorgegebenen Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die Fahrzeuge müssen einen regionalen Bezug von 65% aufweisen, welcher gemäß einer durch die Verordnung Nr. 7.567 vorgegebenen Formel zu berechnen ist;
  • Der Kraftfahrzeughersteller muss mindestens 0,5% seiner Bruttoumsatzerlöse aus Warenverkäufen und Dienstleistungen (exklusive auf Verkäufe fällige Steuern und Abgaben) in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Brasilien investieren; und
  • Der Kraftfahrzeughersteller muss in Brasilien mindestens sechs der folgenden Arbeiten für mindestens 80% seiner Produktion ausführen:
    • Montage, Endkontrolle und Durchführung von Tests;
    • Stanzen;
    • Schweißen;
    • Korrosionsschutzbehandlung und Lackierung;
    • Kunststoffspritzen;
    • Motorproduktion;
    • Getriebeproduktion;
    • Montage von Lenkung, Fahrwerk, Elektrik, Bremsen, Achsen, Motor und Getriebe;
    • Montage von Fahrgestell und Karosserie;
    • Montage des Fahrzeuginnenraums einschließlich der Installation von akustischen und thermischen Elementen sowie die Installation der Verkleidung und die Oberflächenveredelung; und
    • Produktion von Karosserien vor allem aus Ersatzteilen, die regional gestanzt oder aufbereitet wurden.

Unter bestimmten Umständen gilt der reduzierte IPI-Satz auch für Importe von gelisteten Fahrzeugen registrierter brasilianischer Kraftfahrzeughersteller ansässig in:

  • Mitgliedsländern des Mercosur; oder
  • Ländern, die mit Brasilien ein Automobilabkommen unterzeichnet haben.

Um von dem reduzierten IPI-Satz zu profitieren, müssen die berechtigten Hersteller vom Ministerium für Entwicklung, Industrie und Außenhandel zugelassen werden. Kraftfahrzeughersteller innerhalb Brasiliens erhalten eine temporäre Zulassung für einen Zeitraum von 45 Tagen. Nach Ablauf dieser Frist können sie dann eine endgültige Zulassung erhalten, um weiterhin von den Vorteilen zu profitieren.

Die neuen IPI-Sätze sind zunächst nur bis Dezember 2012 gültig und sollen hauptsächlich Kraftfahrzeughersteller beeinträchtigen, die den Markt ausschließlich mit importierten Autos bedienen. Auch wenn diese Maßnahme hauptsächlich darauf abzielt, chinesische Hersteller dazu zu bringen, einen Teil ihrer Autos lokal zu fertigen, betrifft sie auch viele deutsche Hersteller, die noch keine lokale Produktion in Brasilien haben (z.B. BMW, Audi und Porsche).

Der chinesische Hersteller JAC hat mittlerweile bekanntgegeben, dass die geplante Errichtung einer Produktionsstätte im Nordosten Brasiliens nun ausgeführt wird und bis 2014 abgeschlossen sein soll, obwohl er der brasilianischen Regierung gedroht hat, die Investition aufgrund der nachteiligen neuen IPI-Sätze nochmals zu überdenken. Es wird die erste Produktionsstätte von JAC außerhalb Chinas sein.

Es ist absehbar, dass bald weitere Kraftfahrzeughersteller dem Beispiel von JAC folgen und in Zukunft in Brasilien lokal Autos herstellen werden. Die Regelungen der Verordnung Nr. 7.567 zeigen erneut, dass die brasilianische Regierung zum Schutz der lokalen Produktion und des nationalen Marktes nicht davor zurückschreckt, auch drastische protektionistische Maßnahmen auf Steuerebene zu ergreifen, auch wenn diese dem freien Handel deutlich entgegenstehen.

Sehen Sie alle bisher erschienenen Artikel der Serie Recht & Steuern hier.

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Rödl & Partner verfügt über ein Team von mehr als 40 brasilianischen und deutschen Wirtschaftsprüfern und Beratern in São Paulo, zum Teil zweisprachig deutsch und portugiesisch, mehrere sprechen weitere Sprachen. Dieses Team wird von einer zentralen Gruppe in Deutschland unterstützt, mit der gemeinsam deutsche Unternehmen über Zeitzonen und Sprachgrenzen hinweg umfassend begleitet werden. In Brasilien betreut das Team, das auf mehrere Jahrzehnte Erfahrung in der Begleitung deutscher Unternehmen in Brasilien zurückblickt, Unternehmen aus Deutschland aller Branchen und Größen in allen Fragen der Wirtschaftsprüfung, Buchhaltung, Steuerberatung und Rechtsberatung.

Ferner leistet Rödl & Partner Beratung bei der Gestaltung von Investitionen, der Gründung von Unternehmen, Unternehmenskauf (Due Diligence), Klärung von Fragen des Arbeitsrechts, Abschätzen von Unternehmensrisiken und der Registrierung von Geschäften bei der brasilianischen Zentralbank.

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