Indigene protestierten vergangene Woche auch vor dem Sitz der Petrobrás in Rio de Janeiro gegen die uneingeschränkte Erdgasförderung in oder nahe Reservaten. / Copyright: Agência Brasil
Indigene protestierten vergangene Woche auch vor dem Sitz der Petrobrás in Rio de Janeiro gegen die uneingeschränkte Erdgasförderung in oder nahe Reservaten. / Copyright: Agência Brasil

Indigene protestierten vergangene Woche auch vor dem Sitz der Petrobrás in Rio de Janeiro gegen die uneingeschränkte Erdgasförderung in oder nahe Reservaten. / Copyright: Agência Brasil

Ein neuer Konflikt zwischen indigenen Gruppen aus dem Vale do Javari an der peruanischen Grenze und Erdgas fördernden Unternehmen spitzt sich zu. In einer öffentlichen Anhörung in der brasilianischen Abgeordnetenkammer drohte der Sprecher der Vertretung indigener Völker (Articulação dos Povos Indígenas), Jader Comapa Franco, vergangene Woche mit einer Zuspitzung der Auseinandersetzungen. „Wir bereiten uns auf Krieg vor”, hieß es.

Hintergrund ist die Bedrohung von 16 indigenen Ethnien in Vale do Javari am östlichsten Rand des Bundesstaates Amazonas durch die Genehmigung zum Fracking in bis dahin unberührten Gegenden. Die Koordinatorin der staatlichen Stiftung der Indigenen (Fundação Nacional do Índio, kurz: Funai) für die Markierung indigener Gebiete, Maria Janete de Carvalho, berichtete von einer einzigartigen Biodiversität und mindestens 16 bisher isolierten indigenen Bevölkerungen, deren Verdrängung im Raum stehe. Carvalho bestätigte vor den Abgeordneten, dass ein Bericht an die zutreffende staatliche Behörde für Erdöl (Agência Nacional do Petróleo, kur: ANP) gesendet worden war. Jedoch, so die Vertreterin der Funai, wurde nur eine Empfehlung zur Erdgasförderung aufgegriffen.

Vergangen Donnerstag (28.11.)  und Freitag (29.11.) versteigerte die ANP 240 neue Blöcke für die Förderung von Erdgas und Erdöl im Vale do Javari. 110 dieser Blöcke befinden sich in bisher isolierten Gebieten. Gegner kritisieren, dass bei der Förderung vor allem auf das neue Verfahren Fracking gesetzt werde. Hierbei wird unter hohem Druck eine Mischung aus Wasser und chemischen Substanzen in den Untergrund gepresst. Vor allem Gesteinsschichten sollen porös gemacht und das darunter lagernde Gas freigesetzt werden. In der Folge lagern sich Gas-Chemiegemische im Untergrund ab. Vollkommen ungeklärt ist bisher, welche Auswirkungen das auf die Wasserqualität hat. Viele Seitenarme des Amazonas entspringen dieser Region.

Die indigenen Verbände kritisieren, dass sie seit 2003 auf die Umweltproblematik der Förderung in diesen Gebieten hinweisen, doch kaum gehört würden. Jader Comapa Franco von der Vertretung indigener Völker betonte, dass sie bereits mehrere Bundesministerien aufgesucht hätten. „Wir haben aber nicht die finanziellen Mittel jeden Tag herzukommen und weiter auf unsere Rechten zu drängen”, so Franco. „Wenn wir hier nicht gehört werden, werden wir uns auf Kampf einstellen“. (ms)