Kein seltenes Bild: nur wenige Frauen bekleiden politische Ämter in Brasilien / Copyright: Agência Brasil

Kein seltenes Bild: nur wenige Frauen bekleiden politische Ämter in Brasilien / Copyright: Agência Brasil

Heute (24.02.) feiert Brasilien das 80-jährige Jubiläum der Einführung des Frauenwahlrechts. Unter dem Präsidenten Getúlio Vargas, haben die brasilianischen Frauen im Jahr 1932 das Recht auf ihre Wählerstimmen erhalten.

Dennoch führte diese Tatsache bisher nicht dazu, dass unter den AmtsinhaberInnen in der Politik ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen bestehe. Abgesehen davon, dass Brasilien von einer Präsidentin regiert wird, beschränkt sich die Frauenquote innerhalb des Parlaments auf  insgesamt 45 Abgeordnete und damit lediglich 8,77 Prozent des gesamten Hauses. Im Senat werden lediglich zwölf der insgesamt 81 Ämter von Frauen bekleidet.

Es handle sich hierbei quasi um eine Art Aufnahmeverfahren, welches über die MitarbeiterInnen entscheidet – bei welcher die Jury ausschließlich aus Männern bestehe, beschreibt Professor José Eustáquio Diniz Alves, Doktor der Demographie und Professor des Masterstudienganges für Völker- und Sozialstudien an der Nationalschule für Statistische Wissenschaften (Escola Nacional de Ciências Estatísticas, kurz: Ence) die Situation. Wenn man Brasilien bezüglich seiner Frauenquote im Parlament mit anderen Ländern vergleicht, bezieht es den 142. Platz. Damit liegt das Land beispielsweise hinter Irak, Afghanistan, Osttimor, Mosambik und Angola. Die Bevorzugung von männlichen Politikern werde jedoch nicht nur durch Männer herbeigeführt. Auch die brasilianische Frau, so Alves, wähle mehrheitlich die männlichen Kandidaten.

Letzte Woche hatte dieser alarmierend geringe Anteil von Frauen im brasilianischen Nationalkongress, Kritik von Seiten des Komitees der Vereinten Nationen für die Beseitigung aller Formen von Diskriminierung gegen die Frau (Comitê das Nações Unidas para Eliminação de Todas as Formas de Discriminação contra a Mulher, kurz: Comitê Cedaw) laut werden lassen.

Während des letzten Kongresses der Arbeiterpartei (PT) – der auch die Präsidentin Dilma Rousseff angehört – haben die Frauen, trotz Widerstand aus den eigenen Parteireihen, eine Gleichheitsregelung für die Wahlen 2013 durchsetzen können. Damit ist die PT die erste Partei, die sich für diese Regelung entschieden hat. Andere Parteien berufen sich weiterhin auf einen Gesetzestext, der eine Frauenquote von 30 Prozent der Kandidaturen festschreibt. (jv)