Levy Fidelix empört tausende Brasilianer, als er gegen Homosexuelle hetzt. / Copyright: Wikimedia Commons, Rede Brasil Atual
Levy Fidelix empört tausende Brasilianer, als er gegen Homosexuelle hetzt. / Copyright: Wikimedia Commons, Rede Brasil Atual

Levy Fidelix empört tausende Brasilianer, als er gegen Homosexuelle hetzt. / Copyright: Wikimedia Commons, Rede Brasil Atual

In nur vier Tagen hat das Servicetelefon für Menschenrechte unter der Nummer 100 ganze 6000 Anzeigen wegen Diskriminierung Homosexueller entgegen genommen. Auslöser dafür waren die Aussagen des Präsidentschaftskandidaten Levy Fidelix zum Thema bei einer Debatte im Fernsehen. Die Anzahl der Anrufe ist damit höher als in den vergangenen drei Jahren zusammen aufgenommen wurden, wie das Sekretariat für Menschenrechte der Präsidentschaft berichtet, das für den Dienst verantwortlich ist.

In 2011 wurden insgesamt 1.159 Anzeigen registriert, in 2012 gab es einen deutlichen Anstieg auf 3.031, in 2013 gingen die Anzeigen wieder auf 1.695 zurück. Das heißt, insgesamt kamen über die vergangenen drei Jahre 5.885 Fälle zusammen. Die erste Hälfte des Jahres 2014 zeigte außerdem, dass die Zahl der Anzeigenweiter rückläufig war. Zwischen Januar und Juni wurden 537 Fälle gemeldet, knapp 49 Prozent weniger als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres mit 1.044 Anzeigen. Laut des Sekretariats für Menschenrechte waren in den vergangenen Jahren physische und psychische Gewalt, Diskriminierung und Vernachlässigung Gründe für die Anzeigen.

Anders bei den jüngsten Anrufen: Alle Beschwerden zwischen Sonntag (28.9) und Mittwoch (1.10) gehen auf die Aussagen des Präsidentschaftskandidaten Fidelix zurück. Was war passiert? Nachdem Fidelix bei einer Debatte auf dem Fernsehkanal TV Record am Sonntag (28.9) von der Kandidatin Luciana Genro zum Thema der Hochzeit zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern befragt wurde, nannte Fidelix Homosexualität eine psychische Störung, verglich Homosexuelle mit Pedophilen und kam schließlich dazu, die Gesellschaft aufzufordern, sich gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgender zu stellen. „Nehmen wir unseren Mut, die wir in der Mehrheit sind, zusammen, und stellen uns gegen diese Minderheit“, sagte er.

Die Nachrichtenagentur Agência Brasil versuchte ein Interview mit dem Sekretariat für Menschenrechte über den Anstieg der Anzeigen zu führen, doch das Sekretariat wollte sich aufgrund der anstehenden Wahlen zum Thema nicht offiziell äußern.

Weitere Formen der Demonstration in den vergangenen Tagen waren öffentliche Kundgebungen auf der Avenida Paulista am Dienstag (30.9) in São Paulo, außerdem haben die Organisatoren für kommenden Samstag eine Art Kussveranstaltung ausgerufen. Ort der Veranstaltung soll vor dem Haus Fidelix sein, als Verteidigung gegen die Ideen des Kandidaten. „Darüber hinaus lasst uns nicht die Chance verpassen, Levy klar zu machen, dass unsere Sexualität nicht allein dem Willen von Außen unterliegt. Es ist Freude, Lust, Fantasie und Teil unserer Geschlechteridentitäten und sexuellen Orientierung“, heißt es im Text der Bekanntmachung.

Neben den Demonstrationen führten die Aussagen bislang auch zu drei Gerichtsverfahren, die momentan vom Obersten Wahlgericht untersucht werden. (ls)