Das ThyssenKrupp Stahlwerk „Companhia Siderúgica do Atlântico" in Santa Cruz, Rio de Janeiro / Copyright: Creative Commons, R. Candre

Das ThyssenKrupp Stahlwerk „Companhia Siderúgica do Atlântico“ in Santa Cruz, Rio de Janeiro / Copyright: Creative Commons, R. Candre

Brasilien scheint sich zu einem der neuen Häfen für das globale Kapital zu entwickeln. Dies betrifft sowohl ausländische Direktinvestitionen als auch liquide Investitionen in Unternehmensbeteiligungen und in Aktien. So unterschiedlich beide Anlageformen auch von ihrer finanzpolitischen und zeitlichen Ausrichtung her sind, so produzieren sie zunächst den gleichen Effekt in der Kapitalbilanz Brasiliens – einen Zustrom an ausländischem Kapital meist in US-Dollar. Insgesamt haben ausländische Unternehmen rund 7,7 Milliarden US-Dollar (ca. sechs Milliarden Euro) allein im Oktober dieses Jahres in unterschiedlichen Bereichen Brasiliens investiert.

Ausländische Direktinvestitionen spricht man im allgemeinen einen längerfristigen Charakter zu, da sie meist Kapital lokal binden und dieses auch in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten nicht kurzfristig wieder abgerufen werden kann. Somit stellen die über 55,3 Milliarden US-Dollar (ca. 43 Milliarden Euro) an ausländischen Direktinvestitionen im Zeitraum Januar bis Oktober 2012 auch ein Vertrauensbekenntnis für die brasilianische Regierung und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes dar. Da die Summen an Investitionen in diesem Jahr denen aus dem Vorjahr entsprechen, hat sich an der grundlegenden Sichtweise auf Brasiliens wirtschaftliche Aussichten scheinbar nichts geändert. Ein sehr gutes Signal für Brasilien und seine Politik in den Zeiten der internationalen Krise.

Der Anteil des spekulativen Kapitals ist wegen der vielen Direktinvestitionen auch nicht besorgniserregend. Diesen November hebt sich der Anteil mit drei Milliarden US-Dollar (rund 2,33 Milliarden Euro) an liquiden Investitionen etwas stärker vom Trend ab. Dieser Umstand ist aber hauptsächlich dem Erlös aus einem Verkauf eines bisherig ausländischen Unternehmens an ein brasilianisches Konsortium zuzurechnen, welcher allein einen Anteil von 50 Prozent dieser spekulativen Transaktionen ausmacht. (mas)