Die Staatsanwaltschaft hat weitere 15 Beamte der Policia Militar wegen Folter mit Todesfolge an dem Bauarbeiter Amarildo de Souza angeklagt. Der zuständige Beamte, Cezar Augusto Tanner, erläutert den Tathergang. / Copyright: Agência Brasil
Die Staatsanwaltschaft hat weitere 15 Beamte der Policia Militar wegen Folter mit Todesfolge an dem Bauarbeiter Amarildo de Souza angeklagt. Der zuständige Beamte, Cezar Augusto Tanner, erläutert den Tathergang. / Copyright: Agência Brasil

Die Staatsanwaltschaft hat weitere 15 Beamte der Policia Militar wegen Folter mit Todesfolge an dem Bauarbeiter Amarildo de Souza angeklagt. Der zuständige Beamte, Cezar Augusto Tanner, erläutert den Tathergang. / Copyright: Agência Brasil

Wie die brasilianische Tageszeitung Estado de São Paulo in der heutigen Donnerstagsausgabe (23.10.) berichtet, ist es im Fall des von der Polizei entführten und ermordeten Amarildo de Souza zu weiteren Verhaftungen von Polizeibeamten gekommen. Nach weiteren Zeugenaussagen und Vernehmungen erhob die Staatsanwaltschaft am Dienstag (22.10.) gegen weitere 15 Angehörige der Policia Militar (PM) Anklage wegen Entführung und Folter mit Todesfolge. Drei von ihnen stellten sich gestern.

Amarildo wurde am 24. Juli dieses Jahres in der Favela Rozinha in Rio de Janeiro von Beamten verhaftet und zur „Untersuchung“ zur nahe gelegenen Wache der so genannten „Befriedungspolizei“ (Unidade de Polícia Pacificadora, kurz: UPP) in der gleichen Favela gebracht worden. Von dort aus verschwand er, woraufhin die Zivilpolizei (Polícia Civil) Anklage gegen zehn Beamte der Policia Militar erhob. Nach der Vernehmung von fünf festgenommenen Polizisten, die die Verbrechen gestanden, war es zu Anzeigen gegen weitere Polizisten gekommen.

Insgesamt wurde gegen 29 Polizisten ermittelt. Während vier davon nun als unschuldig gelten, besteht gegen 25 die Anklage der Folter  mit Todesfolge. Zehn befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Zusätzlich wurde gegen 17 Polizisten Anklage wegen Verschwinden lassen des Körpers und gegen 13 Polizeibeamte Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung erhoben.

„Die Verbrechen […] wirken abstoßend auf die Gesellschaft, zumal die UPPs dazu geschaffen wurden, die von kriminellen Gruppierungen und dem Drogenhandel beherrschten Gemeinden zu befriedigen.“ Die Beschuldigten hätten genauso kriminell gehandelt wie diejenigen, gegen die sie angetreten seien, argumentierte die zuständige Richterin Daniella Alvarez Prado in ihrer Entscheidung zu den Festnahmen.

Die „Befriedungspolizei“(UPP) stellt ursprünglich eine Art Nachbarschaftspolizei dar. Nachdem Ende 2011 Polizei und Militär bekannte Drogendealer aus vielen Favelas der Stadt vertrieben hatten, wurden die Wachen der UPP eingerichtet (BrasilNews berichtete, 15.11.2011). Sie sollten für einen besseren Umgang zwischen Anwohnern und Polizei sorgen. Noch im August mahnte der zuständige Kommandant Frederico Caldas an, er werde kein Fehlverhalten seitens der Beamten tolerieren (BrasilNews berichtete, 15.08.2013). (ms)