Die Favela "Complexo do Alemão" ist eine der größten in Rio de Janeiro / Copyright: Wikimedia Creative Commons, nickyd75
Die Favela "Complexo do Alemão" ist eine der größten in Rio de Janeiro / Copyright: Wikimedia Creative Commons, nickyd75

Die Favela „Complexo do Alemão“ ist eine der größten in Rio de Janeiro / Copyright: Wikimedia Creative Commons, nickyd75

Die Favelas Rio de Janeiros müssen dringend in das wirtschaftliche Leben der Stadt eingegliedert werden. So lautete der Tenor vieler Experten in den Diskussionsrunden während des 25. Nationalen Forums in Rio (25º Fórum Nacional), in dessen Rahmen drei Tage lang über die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens gesprochen wurde. Am letzten Tag der Konferenz (16.05.) wurde die Zukunft der Armenviertel thematisiert und Pläne zur wirtschaftlichen und sozialen Inklusion der Favelas (Planos de Inclusão Econômica e Social das Favelas) vorgestellt.

Repräsentanten einzelner Favelas forderten, dass man die Bewohner in zukünftige Vorhaben einbeziehen solle. Rumba Gabriel, Sprecher der Favela Jacarezinho, die im Norden der Stadt liegt, kritisierte, dass bislang über die Köpfe der Einwohner hinweg entschieden wurde. Er forderte eine stärkere Einbindung und Mitspracherecht. Alan Brun Pinheiro, Repräsentant der Favela Complexo do Alemão plädierte für eine enge Zusammenarbeit zwischen Bewohnern und der Regierung.

Neben Wirtschaftsexperten und Favelabewohnern nahm auch der Erzbischof Rio de Janeiros, Orani Tempesta, an den Diskussionen teil und stellte den Plan für Favelas der Erzdiözese (Plano de Favelas da Arquidiocese) vor. Es sei möglich, in den Favelas eine neue Gesellschaft zu etablieren, die den Menschen in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung stellt, erklärte der Geistliche.

Vicente Loureiro, Staatssekretär für Stadtplanung, erinnerte daran, dass bereits mehr als drei Milliarden Reais (rund 1,15 Milliarden Euro) in die Aufwertung der Favelas investiert wurden. Mit dem Geld seien soziale Projekte ins Leben gerufen, Kindergärten gebaut und medizinische Versorgungsposten eingerichtet worden. Der Verantwortliche für soziale Infrastruktur der Nationalen Bank für soziale und wirtschaftliche Entwicklung (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social, kurz: BNDES), Guilherme Narciso de Lacerda, gab im Rahmen der Diskussionen bekannt, dass die BNDES zukünftig Mikrokredite im Wert von einer Milliarde Reais (rund 383 Millionen Euro) an Kleinstunternehmer aus den Armenvierteln vergeben werde.

Ein abschließendes Konzept zur Einbindung der Favelas in die Wirtschaft Rio de Janeiros wurde im Zuge des Forums jedoch nicht erstellt. (sg)