Das ThyssenKrupp Stahlwerk „Companhia Siderúgica do Atlântico" in Santa Cruz, Rio de Janeiro / Copyright: Creative Commons, R. Candre

Das ThyssenKrupp-Stahlwerk in Santa Cruz, Rio de Janeiro / Copyright: Creative Commons, R. Candre

Das deutsche Unternehmen ThyssenKrupp teilte gestern (15.05.) mit, dass ihre Standorte in Rio de Janeiro, Brasilien und in Alabama, USA zum Verkauf bereitgestellt werden könnten. Noch werde untersucht, ob es sich wirklich um den Verkauf oder um eine Partnerschaft der Stahlwerke, deren Verkaufswert auf insgesamt sieben Milliarden Euro geschätzt wird, handeln wird. Laut dem vorsitzenden Präsidenten, Heinrich Hiesinger, werden alle strategischen Optionen in Betracht gezogen. Das Angebot zur Übernahme des ThyssenKrupp-Anteils (73,13 Prozent) werde auch dem Partnerunternehmen Vale gemacht, welches zurzeit die restlichen 26,87 Prozent des brasilianischen Firmenstandorts besitzen. Diese nahm jedoch bisher keine Stellung.

Der anfänglichen Strategie nach sollten am Standort Santa Cruz im Staat von Rio de Janeiro, Stahlplatten zu niedrigen Produktionskosten hergestellt, und dann in den USA weiterverarbeitet und verkauft werden.

Als Beweggründe für den möglichen Verkauf gab die Geschäftsleitung die Veränderung wirtschaftlicher Parameter an. Das Unternehmen verzeichnete im letzten Jahr milliardenschwere Einbußen aufgrund der hohen Kosten des Standorts Brasilien, der Wertsteigerung der brasilianischen Währung, den Inflationsauswirkungen und aufgrund der durch die Finanzkrise geschwächten Metallmärkte in Europa und den USA.

Über das ungünstige globale Klima hinaus, befindet sich das Stahlwerk noch immer in einem Gerichtsverfahren in Rio. Im vergangenen Jahr wurden die Firma und ihr Direktor für Nachhaltigkeit vom Öffentlichen Ministerium für Verbrechen gegen die Umwelt angezeigt. Es handelte sich um zu hohe nachgewiesene Werte von Staub- und Graphit in der Nachbarschaft des Stahlwerks. ThyssenKrupp streitet die Anschuldigungen nach wie vor ab und beteuert, die zugelassenen Schadstoffwerte in der Luft nicht überschritten zu haben.

Das Stahlwerk in Rio hat eine Leistung für umgerechnet fünf Millionen Tonnen Eisenplatten im Jahr. Nach einer fünfjährigen Bauphase und einem finanziellen Aufwand von fünf Milliarden Euro hatte das Werk im September 2010 die Produktion begonnen. (jv)