Rio: Fischer protestieren gegen ThyssenKrupp CSA-Chemiewerk

02.08.2012 | Politik |
Die traditionelle Fischerei ist vom Aussterben bedroht / Copyright: Wikimedia Creative Commons, Andevruas

Die traditionelle Fischerei ist vom Aussterben bedroht / Copyright: Wikimedia Creative Commons, Andevruas

Fischer und Mitglieder von Bürgerrechtsorganisationen protestierten gestern (1.8.) gegen die Konstruktion des Petrochemischen Komplexes Rio de Janeiros (Complexo Petroquímico do Rio de Janeiro, kurz: Comperj). Durch den Bau des Chemiewerks des Joint Ventures zwischen der deutschen Firma ThyssenKrupp und der brasilianischen Vale, ThyssenKrupp CSA, in den Buchten Guanabara und Sepetiba kommt es bei den Fischern zu erheblichen Behinderungen sowie zum Rückgang der Fischvorkommen. Die Demonstranten versammelten sich gestern vor den Gebäuden von Petrobras und der Nationalbank für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (Banco Nacional de Desenvolvimento Econômico e Social, kurz: BNDES), um Entschädigungen für die entstandenen Probleme zu fordern.

Der Präsident der Vereinigung Männer und Frauen des Meeres (Associação Homens e Mulheres do Mar, kurz: Ahomar) Alexandre Anderson de Souza betonte, mit dieser Aktion wolle man der brasilianischen Bevölkerung und der breiten Öffentlichkeit zeigen, wie brisant die Situation rund um die Konstruktion des Werkes ist. Der Präsident erklärte, dass auf die Fischer regelrecht Jagd gemacht werde, um sie aus den Buchten zu vertreiben. Ahomar sei nicht generell gegen den Bau des Werkes, jedoch verurteilen sie die brutale Durchsetzung und die Vertreibung der einheimischen Fischer.

Der Wissenschaftler Alexandre Pessoa der Stiftung Oswaldo Cruz (Fundação Oswaldo Cruz) gibt zu bedenken, dass die traditionelle Fischerei in dieser Region ohnehin vom Aussterben bedroht sei und dass sie geschützt werden müsse. Große Unternehmungen wie der Bau des Chemiewerkes würden die Arbeit der Fischer nicht respektieren, ebenso wenig wie die Umwelt, fügt er hinzu. In den letzten zehn Jahren sei es aufgrund von Großindustrien zu einer erheblichen Verschmutzung der Region gekommen. Die Gesundheit der Bevölkerung und der Schutz der Natur und für die Ökosysteme würden völlig außer Acht gelassen, erklärte Pessoa.

ThyssenKrupp CSA ließ unterdessen verlauten, dass der Niedergang der traditionellen Fischerei bereits seit 1970 geschehe und dass das Chemiewerk, dessen Konstruktion 2005 begann keinen negativen Einfluss darauf habe. (sg)


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