„Es ist keine fünfzehn Jahre her, da galt dasselbe Bild für Lateinamerika. Länder wie Mexiko oder Brasilien waren untrennbar verbunden mit Fiskalchaos, Staatspleiten und reformunfähigen Regierungen. Seit den 70er-Jahren suchten Schuldenkrisen den Kontinent heim und prägten den Ruf der schludrigen Lateinamerikaner.

Doch jenseits des Atlantiks hat sich seither einiges geändert: Ein Blick auf die Schuldenstände der einstigen Sünderländer dürfte manchen Industrieland-Finanzminister neidisch werden lassen. Mexiko hat heute einen Schuldenstand von knapp 40 Prozent der Wirtschaftsleistung, ebenso Venezuela. Brasilien liegt bei etwas über 60 Prozent und würde damit fast die Maastricht-Grenze erfüllen. Chiles Schuldenberg liegt gar bei rund zehn Prozent. Zum Vergleich: Die 60-Prozent-Marke reißen in der industrialisierten Welt viele locker. Deutschlands Schuldenstand liegt bei 80 Prozent vom BIP, die USA haben die 100-Prozent-Marke passiert, Großbritannien steuert darauf zu. Japans Schuldenstand enteilt allen anderen und liegt bei deutlich über 200 Prozent des BIPs.“ (FTD Online)