Der Großteil der brasilianischen Bevölkerung bezeichnet sich als schwarz oder farbig / Copyright: CC Flickr/Governo do Estado de Minas Gerais

Der Großteil der brasilianischen Bevölkerung bezeichnet sich als schwarz oder farbig / Copyright: CC Flickr/Governo do Estado de Minas Gerais

Gestern (14.11.) wurde eine Übersicht der schwarzen und farbigen Bevölkerung (População Preta & Parda) Brasiliens, die nach den Volkszählungsindikatoren von 2010 aufgestellt wurde, veröffentlicht.

Wichtige Erkenntnisse sind: Die Nummer der Gemeinden, die mehrheitlich von schwarzen und farbigen Brasilianern bewohnt werden, sind zwischen den Jahren 2000 und 2010 von 49,2% auf 56,8% – und somit um 7,6% – gestiegen. In insgesamt 1.021 Städten (18,3% der brasilianischen Städte) machen Schwarze und Farbige 75% der Stadtbevölkerung aus.

Die Studie wurde vom Laboratorium für Wirtschaftliche und Soziale Analysen und Statistik für Rassenverhältnisse (Laboratório de Análises Econômicas, Sociais e Estatísticas das Relações Raciais, kurz: Laeser) der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro (Universidade Federal do Rio de Janeiro, kurz: UFRJ) durchgeführt.

Der prozentuale Anteil der Personen, die sich selbst als Schwarze bezeichnen, ist in einem Jahrzehnt von 6,2% auf 7,6% angestiegen. Noch größer war der Anstieg bei denjenigen, die sich als Farbige eingeordnet haben (von 38,5% auf 43,1% im selben Zeitraum).

Dies sei das Ergebnis eines Prozesses der Wertschätzung afrikanischer Abstammung, die sich zurzeit in der brasilianischen Gesellschaft manifestiert und Zuspruch durch die Politik erhält, so Marcelo Paixão, Koordinator der Studie. Diese Zahlen würden nicht nur eine demographische Veränderung beschreiben, sondern auch eine politische, soziale und kulturelle. Für Paixão drücken sie außerdem eine neue Form der Sichtbarkeit der schwarzen Bevölkerung Brasiliens aus, und zeigen, dass die Menschen ihre Hautfarbe auf eine selbstverständlichere und offenere Art und Weise annehmen.

Die Volkszählung, die alle 10 Jahre vom Brasilianischen Institut für Geografie und Statistik (Instituto Brasileiro de Geografia  e Estatística, kurz: IBGE) entwickelt wird, hat 2010 die Frage nach der Hautfarbe oder Rasse für alle Wohnsitze eingeführt. Bis dato waren diese nur über Stichproben ermittelt worden. Im Jahr 2010 haben sich etwa 91 Millionen Personen als Weiße, 15 Millionen als Schwarze, 82 Millionen als Farbige, zwei Millionen als Gelbe und 817.000 als Indigene klassifiziert. (jv)