Die Weltkugel vorm Tematischen Sozialforum 2012 in Porto Alegre / Copyright: Agência Brasil

Die Weltkugel vorm Tematischen Sozialforum 2012 in Porto Alegre / Copyright: Agência Brasil

Gestern (29.01.) endete das thematische Sozialforum (Fórum Social Temático, kurz: FST) in Porto Alegre (Bundesstaat Rio Grande do Sul), was seinen Schwerpunkt auf Inhalte der im Juni bevorstehenden Konferenz Rio+20 legte. Ergebnis sind alternative Vorschläge zu Inhalten für die Konferenz.

Mit den Themen Wirtschaftskrise, soziale Gerechtigkeit und Umwelt war das FST die erste Etappe des „Gipfeltreffens der Völker“ (Cúpula dos Povos), das parallel zur Konferenz Rio+20 als Gegenpol zu den formalen Verhandlungen stattfinden soll und vom Volk organisiert wird.

Die Hauptkritik, die an der Konferenz Rio+20 geäußert wurde, war das Konzept der Green Economy: Die Organisationen argumentierten, dass das Modell nur Grundsätze des Kapitalismus wiederhole, vor allem mit dem „Merkantilismus der Natur“ und der Aufrechterhaltung der Ungleichheiten.

Die brasilianische Umweltministerin Izabella Teixeira, die ebenso am FST teilnahm, und die Position der Regierung vertrat, setzte den Kritikern entgegen, dass sie an die Macht der Zivilgesellschaft Brasiliens und der Welt glaube und sich sicher sei, dass die Konferenz Rio+20 Erfolg haben werde.

Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hatte am vergangenen Donnerstag (26.01.) die Ziele des nachhaltigen Wachstums der Konferenz verteidigt und garantierte direkte Dialoge für diverse Umweltmaßnahmen und das Bekämpfen der Armut.

Trotzdem verlangten Aktivisten alternative Vorschläge zur Green Economy und einen stärkeren Dialog zwischen der Präsidentin und den Sozialbewegungen.

Die Umweltfragen und Rio+20 lassen ebenso Platz für Debatten über traditionale Themen des Weltsozialforums, wie die Kritik am Neoliberalismus, die Verteidigung von Gewerkschaftsangelegenheiten und die Stärkung der Bildung. Auch das Recht auf Erinnerung wurde in dieser Woche von sozialen Organisationen angesprochen. Der Journalist Ignacio Ramonet verteidigte hierbei das Schaffen von Wahrheitskommissionen und das kollektive Recht auf die Klärung von Fällen während der Diktatur mit dem Ziel, dass diese nicht in Vergessenheit geraten und sich auch nicht wiederholen. Am Nationalen Tag des Kampfes gegen die Sklavenarbeit (Dia Nacional de Combate ao Trabalho Escravo) wurde dieses Thema auch vom FST aufgegriffen.

Die Ministerin für Menschenrechte, Maria do Rosário, bestätigte, dass eine Einigung über das Nachtragsgesetz 438/2001 in dieser Frage im laufenden Jahr Priorität habe. (ds)