Bei der Stichwahl mag die Entscheidung der Nicht-Wähler ausschlaggebend sein. / Copyright: Agência Brasil
Bei der Stichwahl mag die Entscheidung der Nicht-Wähler ausschlaggebend sein. / Copyright: Agência Brasil

Bei der Stichwahl mag die Entscheidung der Nicht-Wähler ausschlaggebend sein. / Copyright: Agência Brasil

Brasilien könnte zur Stichwahl am kommenden Sonntag (26.10.) die höchste Stimmenenthaltung seit der Wiedereinführung freier Wahlen im Jahr 1989 erleben. Nach Ansicht der Meinungsforscher würde dies der amtierenden Präsidentin bei ihrer Wiederwahl zu Gute kommen. Bereits beim vergangenen Wahlgang am 5.10. seien 19,39 Prozent der Wähler von den Urnen fern geblieben, fast so viel wie bei der Stichwahl 2010. Die Erfahrungen der vergangen Wahlen zeigten jedoch, dass die Stimmenthaltung in der Stichwahl leicht zulege, wie die Zeitung Valor Econômico vom gestrigen Mittwoch (22.10.) unter Berufung auf Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Ibope Inteligência berichtet.

Der hohe Prozentsatz des an sich verbotenen Fernbleibens resultiere zum Großteil aus einem veralteten Wahlregister, wie Marcia Cavallari, Direktorin von Ibope Inteligência erklärte. In vielen Gemeinden Brasiliens seien Verstorbene und Verzogene noch immer als Wähler erfasst. Dies erkläre auch das Missverhältnis zwischen Wahlergebnis und Umfrage. Dennoch sei die politisch motovierte Enthaltung nicht zu unterschätzen, wie Homero Costa, Politikwissenschaftler an der Bundesuniversität Rio Grande do Norte (UFRN), bekräftigt. Es sei davon auszugehen, dass Dilma Rousseff in einer Stichwahl doch mehr Nichtwähler motivieren könnte, als ihr konservativer Kontrahent Aécio Neves von der PSDB.

Neben dem Fernbleiben von der Wahlurne bieten in Brasilien die Null-Stimme und die so genannte Stimme in Weiß Möglichkeiten der Enthaltung. Laut Zeitungsbericht würde der Anteil der Null- und Weiß-Stimmen, die zusammen einen Anteil von fast zehn Prozent ausmachten, in einer Stichwahl sinken und sich bis dahin unentschlossene Wähler eher zur Wahl entscheiden.

Währenddessen ist zu erwarten, dass die regierende Präsidentin von den Null-und Weiß-Stimmen des ersten Wahlgangs profitieren werde, wie die Auswertung der vergangenen Präsidentschaftswahl ergeben habe. Damals entschieden sich Personen, die zuerst mit Weiß oder Null gestimmt hätten, tendenziell für Rousseff. Während in São Paulo, wo Rousseff die Stichwahl 2010 verlor, die Null-Stimmen nur marginal von 6,3 auf 6,1 Prozent sanken, legte die Beteiligung in Caixas, Maranhão, von 74 Prozent im ersten auf 83 Prozent im zweiten Durchgang zu. Der Anteil der Null-Stimmen war hier von 8,3 auf 3,4 Prozent gefallen, wie die Valor Econômico dokumentiert. Das gleiche Phänomen sei nun bei der Stichwahl am kommenden Sonntag zu erwarten und und somit, dass Dilma Rousseff die Wiederwahl gewinnen werde. (ms)