Die Bus- und Metropreise haben sich in Brasilien in zehn Jahren um 111 Prozent erhöht, die Inflation stieg um dagegen um 82,6 Prozent. Copyright: Agência Brasil
Die Bus- und Metropreise haben sich in Brasilien in zehn Jahren um 111 Prozent erhöht, die Inflation stieg um dagegen um 82,6 Prozent. Copyright: Agência Brasil

Die Bus- und Metropreise haben sich in Brasilien in zehn Jahren um 111 Prozent erhöht, die Inflation stieg um dagegen um 82,6 Prozent. Copyright: Agência Brasil

Wie eine am Freitag (13.09.) veröffentlichte Studie belegt, tragen Inflation und die Subventionspolitik in Brasilien maßgeblich dazu bei, den Öffentlichen Verkehr zu verteuern und im Vergleich dazu Kauf und Haltung von Privatautos zunehmend kostengünstiger zu gestalten. Niemals zuvor, so das Ergebnis der Studie, die im Auftrag der Tageszeitung Estado de São Paulo/Estadão Dados durchgeführt wurde, sei ein Privatauto in Anschaffung und Haltung so billig gewesen, während das Bus fahren niemals so teuer war. Die Erhebung belegt, dass die Verteuerung des Öffentlichen Nahverkehrs in den letzten zehn Jahren vier Mal teurer war als die Inflation.

Die Erhebung von Estadão Dados beruft sich dabei auf die Zahlen des Preisindex für Endverbraucher (Preços ao Consumidor Amplo, kurz: IPCA). Demnach stiegen die Fahrpreise für den Busverkehr seit 2002 um 111 Prozent an, während die Ausgaben für einen Neuwagen im gleichen Zeitraum nur um 6,3 Prozent anstiegen. Die Inflation wiederum stieg um insgesamt 82,9 Prozentpunkte. Einen Neuwagen zu kaufen, hat sich im Verhältnis zum Bus fahren, ungleich verbilligt. Ebenso hat sich die Haltung eines eigenen Wagens nur ungleich verteuert. Der Preis für Benzin stieg in den letzten zehn Jahren um 43,9 Prozent, der für die Versicherung um 40,5 Prozent, wie die Studie auflistet. Hingegen verteuerte sich der Preis für die Metro gar um 93,9 Prozent.

Laut der Studie bedingen sich diese beiden entgegenlaufenden Entwicklungen. Seit 2008 subventioniert der brasilianische Staat den Autokauf maßgeblich durch eine Senkung von Steuern. Zudem stiegen Einkommen und Kreditvergabe an private Haushalte, so dass sich die Zahl potentieller Kunden vervielfachte. Autobauer und -händler reagierten daraufhin mit einem Preiskampf nach unten. Im Ergebnis dieser Faktoren stieg die Anzahl der Autos in Brasilien zwischen 2003 und 2012 von 23 Millionen auf 42 Millionen Stück. Die Folge seien mehr Staus und ein deutlich verlangsamter Verkehr als auch mehr Straßenschäden in den Städten. Dies allein habe den Preis der Bustickets um 16 Prozent ansteigen lassen, wie das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada, kurz: Ipea) für den Fall von São Paulo im Jahr 2008 bilanzierte.

Laut Gustavo Fernandes, Professor an der Wirtschaftsuniversität Fundação Getúlio Vargas (FGV), zeigten sich in Brasilien klare Anreize für den Privatverkehr. Der hohe Preisanstieg bei Fahrkarten, der weit über dem des Benzinpreises liegt, lasse zudem vermuten, dass die Gewinne der Bus- und Metro-Unternehmen angestiegen seien oder deren Effizienz gesunken sei, so Fernandes abschließend. Denn im gleichen Zeitraum seien ungleich weniger Investitionen vorgenommen worden, die die Unternehmen selbst getragen hätten. (ms)