Anstatt auf die Straße zu gehen, begnügen sich viele Brasilianer damit Festlichkeiten zu besuchen / Copyright: Agência Brasil
Anstatt auf die Straße zu gehen, begnügen sich viele Brasilianer damit Festlichkeiten zu besuchen / Copyright: Agência Brasil

Viele Brasilianer besuchen am Tag der Arbeit die angebotenen Feste / Copyright: Agência Brasil

Wie in weiten Teilen der Welt wurde auch in Brasilien gestern der Tag der Arbeit gefeiert. Anlässlich des Arbeitertages gab es im ganzen Land Festlichkeiten, inklusive Auftritte von bekannten Bands und Verlosungen von Autos. Massenproteste wie beispielsweise in Griechenland gab es in Brasilien nicht und so mancher stört sich daran.

Für einen Sprecher der brasilianischen Feuerwehr Laércio Soares sind die Festlichkeiten nur eine Ablenkung, organisiert von den Autoritäten, um Proteste zu vermeiden. „Eigentlich“, meint Soares, „müssten wir Brasilianer für höhere Löhne protestieren. Unser Land hat viel erreicht und ist absolut im Aufschwung. Sogar die Weltmeisterschaft findet bei uns statt und auch die Olympischen Spiele kommen 2016 hierher. Aber bei den Arbeitern kommt nichts von diesem Aufschwung an.“

Laut Wadih Damous, Präsident der Brasilianischen Rechtsanwaltskammer in Rio de Janeiro (Ordem dos Advogados do Brasil – Rio de Janeiro, kurz: OAB – RJ) profitieren die Arbeiter vom Aufschwung des Landes. Dies könne man an steigenden Löhnen und erhöhtem Konsum erkennen, so Damous. Allerdings ist auch er der Meinung, dass die Brasilianer verstärkt und geschlossen protestieren müssen. Vor allen Dingen gegen Korruption. Denn immer wieder ist die politische Führung des Landes in Korruptionsfälle verwickelt.

Cláudio Monteiro, Koordinator der bundesstaatlichen Gewerkschaft der Fachkräfte für Bildung in Rio de Janeiro (Sindicato Estadual dos Profissionais de Educação do Rio de Janeiro, kurz: Sepe-RJ), setzt sich dafür ein, dass Widrigkeiten und Gesetzesverstöße der politischen Klasse nicht geduldet werden. Die Korruption sei eines der größten Probleme Brasiliens, so Monteiro, diesem könne man mit mehr Transparenz entgegenwirken. Cláudio Monteiro verlangt den Zugang zu Informationen über Aktivitäten der Politiker und der öffentlichen Verwaltung für Presse und Bürger. Zulassen können den Zugang allerdings nur die Politiker selbst – das Bewusstsein dafür ist jedoch noch nicht geschaffen. (sg)