Tausende Evangelikale wurden gestern nach Brasília gefahren, um dort unter anderem gegen die sogenannte Homoehe zu demonstrieren. / Copyright: Agência Brasil
Tausende Evangelikale wurden gestern nach Brasília gefahren, um dort unter anderem gegen die sogenannte Homoehe zu demonstrieren. / Copyright: Agência Brasil

Tausende Evangelikale wurden gestern nach Brasília gefahren, um dort unter anderem gegen die sogenannte Homoehe zu demonstrieren. / Copyright: Agência Brasil

Evangelikale Gruppen versammelten sich am gestrigen Donnerstag (05.06.) zu einer Großdemonstration vor dem Nationalkongress in der Hauptstadt Brasília. Zu der Kundgebung hatte der Pastor Silas Malafaia von der evangelikalen Kirche Assembleia de Deus Vitória em Cristo aufgerufen, um für Religionsfreiheit und traditionelle Familienwerte zu demonstrieren. Der Protest der Evangelikalen richtete sich gegen die gesetzlich erlaubte Abtreibung, die Ehe Gleichgeschlechtlicher und das Gesetzesprojekt 122, das Homophobie unter Strafe stellen will. Im allgemeinen sprachen sich die Pastoren verschiedender Gruppen gegen Meinungszensur und Kontrolle der Medien aus, durch die sie meinen, diskriminiert zu werden.

Dem Aufruf folgten laut Polizeiangaben 40.000 Menschen. Die Veranstalter sprachen sogar von 70.000 Anhängern. Diese Zahlen wurden möglich, weil zuvor 500.000 Reais (rund 180.000 Euro) in Fernsehspots und Zeitungswerbung sowie die organisierte Anfahrt mit Bussen gesteckt wurde, wie die Veranstalter angaben.

Der prominente evangelikale Vertreter Marcos Feliciano, der gleichzeitig Präsident der Parlamentskommission für Menschenrechte und Minderheiten ist, sprach vor den Versammelten davon, dass es hier nicht um Religion gehe, sondern um die Verfassung. In dieser stehe noch immer, so Feliciano, dass die Ehe ein Bund aus Mann und Frau sei. Die Homoehe sei demnach verfassungswidrig. Eine Verfassungsänderung wiederum werde der evangelikale Block des Abgeordnetenhauses zu verhindern wissen, versicherte Feliciano, der im Parlament die Menschenrechtskommission vertritt.

Tatsächlich bekennen sich fast 40 Prozent der Mitglieder des brasilianischen Abgeordnetenhauses zu evangelikalen Kirchen. In manchen Entscheidungen treten sie parteiübergreifend als eigener Block auf. Mitunter gelten sie als die größte parlamentarische Gruppe. (ms)