In Brasiliens Gefängnissen sitzen 66 Prozent mehr Häftlinge, als Kapazitäten vorhanden sind / Copyright: Creative Commons, P. Lage

In Brasiliens Gefängnissen sitzen 66 Prozent mehr Häftlinge, als Kapazitäten vorhanden sind / Copyright: Creative Commons, P. Lage

Die Situation der Gefangenen in Brasilien hat aufgrund der menschenrechtlich bedenklichen Umstände in den brasilianischen Gefängnissen auf internationaler Ebene für Aufmerksamkeit gesorgt und die Vereinten Nationen haben die dringende Empfehlung ausgesprochen, die Konditionen in den Strafanstalten zu verbessern.

Mit fast 500.000 Gefangenen steht Brasilien weltweit an Platz Nummer vier, was die Bevölkerungsdichte der Gefängnisse angeht. Das Gefängnissystem, in dem mehr als 200.000 Plätze fehlen, ist längst überlastet. Die Anzahl der fehlenden Plätze ist für die Vereinten Nationen eines der wichtigsten Kriterien, wenn es um die Verletzung von Menschenrechten in Brasilien geht. Das Land war letzte Woche, nach der allgemeinen regelmäßigen Überprüfung (Revisão Periódica Universal) – einem Steuerungsinstrument der Hochkommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen – in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Der Nichtregierungsorganisation Internationales Zentrum für Gefängnisstudien (ICPS) zufolge folgt Brasilien in der Anzahl seiner Gefangenen lediglich den Vereinigten Staaten (2,2 Millionen), China (1,6 Millionen) und Russland (740.000). Die Nationale Strafgefangenenbehörde (Departamento Penitenciário Nacional, kurz: Depen) teilte mit, dass die Anzahl der Gefangenen 66 Prozent über der Unterbringungskapazität der Gefängnisse liege.

Das brasilianische Gesetz, welches vorschreibt, dass jeder Gefangene mindestens über sechs Quadratmeter Platz verfügen muss, kann somit nicht eingehalten werden, sodass jedem Gefangen oftmals lediglich 70 Quadratzentimeter Platz zustehen. Weitere Menschenrechtsverletzungen entstehen durch physische Gewalt bis hin zu Folter, verübt durch andere Gefangene oder Gefängniswärter.

Als Maßnahme schlagen die Vereinten Nationen eine dauerhafte Bereitstellung von Pflichtverteidigern in allen Gefängniseinheiten im ganzen Land vor. Dadurch solle die Ermittlung von Menschenrechtsverletzungen an Gefangenen beschleunigt werden. Weitere Maßnahmen wie juristischer Beistand, damit die Gefangene nicht über ihre Strafzeit hinaus eingesperrt bleiben und früher Freigang bekommen, soll der Überlastung entgegenwirken.

Davon sei Brasilien jedoch noch weit entfernt, denn das Problem liege vor allem am Profil der meisten Straftäter: sehr geringer Bildungsgrad, meist keine legale Arbeit vorhanden und viele von ihnen sind drogenabhängig, erläuterte der juristische Berater der Gefängnisseelsorge, José de Jesus Filho. (jv)