Neue Unterlagen der Wahrheitskommission belegen die Zusammenarbeit von VW und dem Militärregime Anfang der 80er Jahre in Brasilien. / Copyright WikiCommons Autor: High Contrast
Neue Unterlagen der Wahrheitskommission belegen die Zusammenarbeit von VW und dem Militärregime Anfang der 80er Jahre in Brasilien. / Copyright WikiCommons Autor: High Contrast

Neue Unterlagen der Wahrheitskommission belegen die Zusammenarbeit von VW und dem Militärregime Anfang der 80er Jahre in Brasilien. / Copyright WikiCommons Autor: High Contrast

Volkswagen Brasilien steht unter dem Verdacht, Anfang der 80er Jahre Spionage gegen Angestellte und Gewerkschafter betrieben und Informationen an die brasilianische Militärdiktatur (1964 – 1985) geliefert zu haben. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters vom vergangegen Freitag (5.9.). Unter Anderem verfasste der Autohersteller auch Berichte über den damaligen Gewerkschaftsfunktionär und späteren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, Lula, und reichte diese an die Militärs weiter. Ziel der Zusammenarbeit sei es gewesen, unliebsame Aktivisten zu identifizieren.

Die Informationen kamen im Zuge der Untersuchungen der Wahrheitskommission (Comissão Nacional da Verdade, kurz: CNV) zu den Verbrechen der brasilianischen Militärdiktatur (1964 – 1985) ans Tageslicht. Im Auftrag der Wahrheitskommission hatten Wissenschaftler Zugang zu den Archiven des Luftfahrtministeriums erhalten und dort 20 Seiten Protokolle und Berichte der Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen mit dem Militärregime gefunden.

Insgesamt 19 in- und ausländische Unternehmen hätten laut der Dokumente regelmäßig an Treffen mit Militär- und Polizeieinheiten der Region teilgenommen. Laut Reuters geben die Protokolle mitunter detaillierte Auskunft über die Sitzungen, die mit Zunahmen der gewerkschaftlichen Aktivitäten ab 1983 stattfanden. Demzufolge tauschten sich Unternehmen und Sicherheitsorgane über die Planung von Streiks durch die Gewerkschaften sowie Entlassungen und Maßnahmen der Verfolgung aus. Volkswagen habe als einziges Unternehmen die Berichte mit Namenslisten schriftlich verfasst und überreicht. Einige der namentlich genannten Aktivisten tauchten später auf so genannten schwarzen Listen der Sicherheitsorgane auf.

Aus den Unterlagen der Wahrheitskommission gehe jedoch nicht hervor, woher Volkswagen die Informationen bekam. Der Grad an Details lege jedoch nahe, dass so genannte Infiltrierte, Spitzel, bei den Gewerkschaftsveranstaltungen eingeschleust worden seien. Ausführlich berichtete der VW-Konzern über eine Sitzung der Metallarbeitergewerkschaft mit Anwesenheit von Lula vom 19. Juni 1983. Zwar war dieser kein Angestellter des Konzerns, doch eine Größe der Streikbewegung. Volkswagen nannte ihn einen „schamlosen Kritiker der Regierung“, der die Arbeiter zu Protestaktionen aufrufe.

Der VW-Konzern Brasilien reagierte umgehend auf die Veröffentlichung und versprach, „alle Indizien zu untersuchen“. Das Unternehmen nehme seine Verantwortung gegenüber der eigenen Vergangenheit ernst. Bereits im Mai dieses Jahres wurden erste Verdachtsmomente der Kollaboration zwischen VW und der Militärdiktatur laut (BrasilNews berichtete, 19.5.2014). (ms)