VW ist seit 1953 in Brasilien aktiv. Der Fusca, der Käfer, wurde zum Symbol./  Copyright: Autor: Rodrigo de Almeida Fraga de Oliveira
VW ist seit 1953 in Brasilien aktiv. Der Fusca, der Käfer, wurde zum Symbol./  Copyright: Autor: Rodrigo de Almeida Fraga de Oliveira

VW ist seit 1953 in Brasilien aktiv. Der Fusca, der Käfer, wurde zum Symbol. VW / Copyright: Autor: Rodrigo de Almeida Fraga de Oliveira

Im Zuge der Aufarbeitung der brasilianischen Militärdiktatur (1964 – 1985) ist auch der Volkswagen-Konzern in den Fokus der Aufklärungen gelangt. Auf der Hauptversammlung des VW-Konzerns am vergangenen Dienstag (13.5.) in Hannover forderte der „Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V.“ das Unternehmen zu einer Stellungnahme bezüglich der Vorwürfe der Zusammenarbeit mit dem Militärregime auf.

Im Februar 2014 hatte die brasilianische Wahrheitskommission zur Aufarbeitung der Militärdiktatur beschlossen, die Aktivitäten von Volkswagen do Brasil auf eine Zusammenarbeit mit dem Militärregime hin zu untersuchen. Laut Medienberichten gehe die Wahrheitskommission davon aus, dass der Volkswagen-Konzern mit finanziellen Spenden die Vernetzung zwischen Militärs und Unternehmen im Vorfeld des Staatstreiches vom 31. April 1964 mitfinanziert habe. Später habe VW do Brasil den Aufbau eines militär-industriellen Komplexes durch Spenden unterstützt, wie das Nachrichtenportal Nodal am vergangenen Mittwoch (14.5.) mit Berufung auf die Wahrheitskommission schreibt.

Volkswagen werde neben der brasilianischen Tageszeitung Folha de São Paulo, dem Autozulieferer Monark, Ford und Scania als eines der Unternehmen aufgeführt, das der Ständigen Arbeitsgruppe zur Industrieentwicklung (Grupo Permanente de Mobilização Industrial, kurz: GPMI) Gelder zukommen ließ. Die GPMI war beim Landesverband der Industrie von São Paulo (Federação das Indústrias do Estado de São Paulo, Fiesp) angegliedert. Laut dem Journalisten Antônio Carlos Fon habe die Aufgabe der GPMI darin bestanden, die Bemühungen zum Sturz des 1961 demokratisch gewählten Präsidenten João Goulart zu forcieren.

Auf Basis dieser Vorwürfe beantragte der „Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre“ vergangenen Dienstag, den VW-Vorstand nicht zu entlasten. Im Antrag hieß es dazu: „Wir fordern Volkswagen auf, diese Vorgänge umgehend zu untersuchen und aufzuklären, nicht zuletzt angesichts des kürzlichen 50. Jahrestages des brasilianischen Militärputsches. Volkswagen muss sich seiner historischen Verantwortung stellen und sich dazu bekennen.“ Volkswagen wies den Gegenantrag als unbegründet zurück. (ms)