Pedro Dallari, Leiter der Wahrheitskommission fordert von den Militärs die Anerkennung der von ihnen begangenen Verbrechen. / Copyright: José Cruz  Agência Brasil
Pedro Dallari, Leiter der Wahrheitskommission fordert von den Militärs die Anerkennung der von ihnen begangenen Verbrechen. / Copyright: José Cruz  Agência Brasil

Pedro Dallari, Leiter der Wahrheitskommission, fordert von den Militärs die Anerkennung der von ihnen begangenen Verbrechen. / Copyright: José Cruz, Agência Brasil

Die brasilianischen Streitkräfte sollten endlich die Verbrechen der Militärdiktatur der Jahre 1964 – 1985 anerkennen. Dies fordert die brasilianische Wahrheitskommission (Comissão Nacional da Verdade, kurz: CNV) zum Abschluss ihrer zweijährigen Untersuchung zu den Verbrechen der Militärdiktatur.

Der Abschlussbericht der Wahrheitskommission war am vorletzten Mittwoch (10.12.) nach zwei Jahren und sieben Monaten Untersuchungsarbeit der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Symbolisch wurde der Bericht von Mitgliedern der Kommission in Brasília der brasilianischen Anwaltskammer (Ordem dos Advogados do Brasil, kurz: OAB) überreicht. Der Leiter der Kommission Pedro Dallari verglich die Arbeit mit einer offenen Rechnung, die man der Gesellschaft schuldig sei. „Der Bericht war nur mit Unterstützung der brasilianischen Gesellschaft möglich“, so Dallari. Tatsächlich stammt ein Großteil der eingeflossenen Informationen aus der Zuarbeit kleinerer und größerer zivilgesellschaftlicher Initiativen oder Forschungsgruppen.

Ferner erinnerte Dallari der 434 Opfer der Militärdiktatur, die die Kommission im Laufe der Untersuchungen bestätigte. Ein wesentliches Kapitel des Berichtes sei den Geschichten dieser Personen gewidmet, so der Kommissionsleiter.

Im Zuge der Veröffentlichung appellierte Dallari vergangenen Donnerstag (11.12.) im Ständigen Unterausschuss des Senats Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit an das Militär, das Schweigen zu beenden. Die Brasilianer hätten erst dann Gewissheit darüber, dass sich die Geschichte nicht wiederhole, wenn die Verbrechen von allen anerkannt würden, so der Leiter der Wahrheitskommission Pedro Dallari. Unterstützung erhielt Dallari dabei vom Ausschussvorsitzenden, Senator João Capiberibe (PSB-AP), wie die Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtete (11.12.).

Die Militärs hätten im gesamten Prozess die Wahrheistfindung behindert, so Dallari. Durch die Hindernisse der Militär seien nur die Orte von drei der seit der Militärdiktatur Entführten und anschließend Vermissten ausfindig gemacht worden, so der Leiter der CNV. Von vielen Hunderten fehle nach wie vor jeder Spur. Kommissionsmitglied Wadih Damous bestätigte frustriert: „Wir können den Familien nicht sagen, wo die vermissten Politiker sind, wo sie begraben wurden, wo ihre Körper sind“. Die Nachforschungen sollen nun durch Kommissionen auf Landesebene und die Staatsanwaltschaft weitergeführt werden, so Damous. (ms)