Der WEF rät Brasilien zu einer Arbeitsmarktreform / Copyright: World Economic Forum
Der WEF rät Brasilien zu einer Arbeitsmarktreform / Copyright: World Economic Forum

Der WEF rät Brasilien zu einer Arbeitsmarktreform / Copyright: World Economic Forum

Das Weltwirtschaftsforum WEF (World Economic Forum) hatte sich kürzlich dazu geäußert, dass in Brasilien eine Reform des Arbeitsmarktes nötig sei, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind im Weltwirtschaftsbericht 2013-2014 aufgelistet. Benat Bilbao, WEF- Ökonom und einer der Autoren des Berichts, verteidigt das Senken der Arbeitskosten, das Vereinfachen von Kündigungen sowie die Anpassung der Gehälter an die Leistung der Angestellten. Laut Bilbao sei die Arbeitsmarktreform eine der Hauptherausforderungen Brasiliens. Das Land solle diese Maßnahmen durchführen, da die hohen Preise von Primärgütern und die geringen Steuern die inländische Wirtschaft bremsen würden.

Nicht alle Wirtschaftsexperten teilen die Meinung des WEF. Clemente Ganz Lúcio, Technikleiter der Intergewerkschaftlichen Abteilung für Statistik und sozioökonomische Studien DIEESE (Departamento Intersindical de Estatística e Estudos Socioeconômicos), schätzt die Empfehlungen des WEF als falsch ein. „Der brasilianische Arbeitsmarkt ist dynamisch, da 40 Prozent der Angestellten ihren Arbeitsplatz innerhalb eines Jahres wechseln und eine hohe Flexibilität herrscht. Eine Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, ist, diese Flexibilität zu reduzieren und auch damit einhergehend das häufige Wechseln der Stellen.“ Weitere Maßnahmen zur Wettbewerbssteigerung seien laut Angaben Lúcios beispielsweise die qualitative Verbesserung von Institutionen sowie Investitionen in Bildung und Technik. Diese Beispiele wurden im Weltwirtschaftsbericht ebenso aufgeführt. Des Weiteren kommentierte Lúcio, dass die Produktivität der brasilianischen Wirtschaft nicht aufgrund der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit in den letzen Jahren gesunken sei,  sondern aufgrund der sinkenden Nachfrage bedingt durch das geringere Wirtschaftswachstum.

Rodrigo Leandro de Moura, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Getulio Vargas-Stiftung FGV (Fundação Getulio Vargas), ist allerdings anderer Meinung. Moura glaube, dass solange in Brasilien die Beschäftigungsrate noch so hoch ist, das Land eine Arbeitsmarktreform brauche, um die Wirtschaft anzukurbeln. Laut des Experten müsse allerdings zuerst am Steuersystem gearbeitet, in die Infrastruktur investiert und die Institutionen verbessert werden, bevor der Arbeitsmarkt flexibler gestaltet wird. (ds)