Bei Sanierungen von Bahnlinien und Waggons kam es zu Preisabsprachen. / Copyright Wikimedia Commons, Tdcosta100 Ein-Vorortzug-der-CPTM-in-Sao-Paulo.-Copyright-WikiCommons-Autor-Tdcosta100

Die Ermittlungen der brasilianischen Justiz zu den Preisabsprachen verschiedener S-Bahnhersteller und Wartungsunternehmen in São Paulo und im Distrito Federal haben nun zu weiteren Anklagen geführt. Demnach sind nach Angaben der Zeitung Valor Econômico sechs Manager der Unternehmen Alstom, Tejofran, MPE und Temoinsa wegen Verdachts auf Kartellbildung und Betrugs bei öffentlichen Ausschreibungen angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Verantwortlichen Preisabsprachen bei der Sanierung der Metro-Linien 1 und 3 von São Paulo sowie von 98 Waggons vor. Die Modernisierung der Anlagen und Züge im Jahr 2007 war ursprünglich mit 1,5 Milliarden Reais veranschlagt – zum damaligen Zeitpunkt etwa 580 Millionen Euro. Im Endeffekt kosteten die Maßnahmen 1,7 Milliarden Reais (rund 650 Millionen Euro).

Laut dem untersuchenden Staatsanwalt Marcelo Mendroni der Sondergruppe für Wirtschaftsdelikte ist die Aufteilung der Aufträge unter den Unternehmen sehr klar gewesen. „Es gab keinen Streit. Jedes Konsortium erhielt einen Teilauftrag“, bestätigte Marcelo Mendroni gegenüber Valor Econômico. In einer Email des früheren Alstom-Managers César de Leon aus dem Jahr 2008 spricht dieser von der “Teilung des Kuchens“, so die Staatsanwaltschaft.

Die Manager haben mit Strafen zwischen sechs und 14 Jahren zu rechnen. Neben de Leon sind die weiteren hochrangigen Unternehmensvertreter David Lopes, Maurício Memória und Wilson Daré von Temoinsa, Telmo Giolito Porto von Tejofran und Agadir Abreu von der MPE. Die zuständige Richterin Cynthia Bezerra da Silva lehnte unterdessen den Antrag des Staatsanwaltes auf Festnahme des früheren Alstom-Managers César Ponce de Leon ab. Dieser lebt derzeit in Spanien. Bezerra da Silva sieht jedoch keine Gefahr, dass dieser sich der Verantwortung entziehen könne.

Seit dem Sommer 2013 gehen brasilianische Ermittlungsbehörden Fällen von Preisabsprachen im S-Bahnsektor in den Jahren 1999 bis 2010 vor. Dem war eine Selbstanzeige von Siemens Brasilien vorausgegangen (BrasilNews berichtete, 15.07.2013). Die aktuellen Ermittlungen haben dabei den Zeitraum von 2007 bis 2008 im Fokus, zur Regierungszeit des damaligen Gouverneurs José Serra (PSDB). (ms)

Quelle: Valor Econômico