Start einer Trägerrakete von der brasilianischen Abschussrampe Alcântara. / Copyright: Agência Brasil Start einer Trägerrakete von der brasilianischen Abschussrampe Alcântara. / Copyright: Agência Brasil

Russland und Frankreich haben Brasilien Angebote für den gemeinsamen Betrieb der Abschussrampe für Weltraumraketen Alcântara im Bundesstaat Maranhão unterbreitet. Erst vergangenen Monat hatte Brasilien seinen seit 2004 bestehenden Kooperationsvertrag mit der Ukraine wegen Verzögerungen auf Seiten des europäischen Partners aufgekündigt.

Medienberichten zufolge will die Regierung in Moskau in Brasilien eine Abschussbasis für seine Angara-Trägerraketen einrichten, wie die Zeitung O Estado de S. Paulo unter Berufung auf diplomatische russische Kreise berichtete. Die Angara-Rakete gilt als Grundstein des zukünftigen russischen Raumfahrtprogramms und wurde entwickelt, um mit der französischen Ariane-Rakete zu konkurrieren. Russland verbindet mit der Kooperation mit Brasilien das Ziel, eine Abschussbasis in Äquatornähe zu haben. Dies verringert substantiell die Kosten, um Satelliten in den Erdumlauf zu bringen.

Mit Unterstützung der französischen Regierung hat auch Airbus Interesse an der Nutzung der Basis bekundet. Das unterbreitete Projekt sieht eine enge Partnerschaft zwischen beiden Ländern vor, um von Alcântara vor allem kommerzielle Satelliten ins Weltall zu schicken. Doch ist auch eine militärische Nutzung geplant, berichtet der Estadão. Das Ariane-5-Programm wird jedoch weiterhin vom französischen Weltraumstützpunkt Kourou in Französisch Guiana betrieben.

Der Vorschlag zum französisch-brasilianischen Weltraum-Joint-Venture ist bereits 2009 präsentiert worden. Die Regierung in Brasília hatte jedoch auch wegen der bestehenden Partnerschaft mit der Ukraine kein Interesse signalisiert.

Erst vergangenen Monat hatte Brasilien den seit 2004 bestehenden Kooperationsvertrag mit der Ukraine über die Nutzung der Raketenabschussbasis gekündigt. Die brasilianische Regierung hat sich zu dem Schritt entschieden, um weiteren finanziellen Schaden abzuwenden, wie die Zeitung O Estado de S. Paulo schrieb. Brasilien hat damit auf die Nichteinhaltung der ukrainischen Verpflichtungen reagiert.

Während Brasilien seinen Verpflichtungen zum großen Teil nachgekommen war und 500 Millionen Reais (etwa 130 Mio. Euro) in den Ausbau der Abschussrampen investiert hatte, hat die Ukraine bisher nur 20 Prozent der geplanten Mittel eingebracht. Insbesondere die anspruchsvolle, technische Entwicklung der gemeinsamen Rakete ist weit von der Fertigstellung entfernt gewesen, so die Zeitung. (ms)

Quelle: O Estado de S. Paulo