Proteste gegen Räumungen zugunsten von Bauprojekten für die Copa / Copyright: Agência Brasil

„Recht auf Wohnen“ Proteste gegen Räumungen zugunsten von Bauprojekten für die WM 2014 / Copyright: Agência Brasil

In São Paulo hat gestern (12.12.) die Veröffentlichung des Dossiers „Megaevents und Menschenrechtsverletzungen in Brasilien“ (Megaeventos e Violações de Direitos Humanos no Brasil) dargestellt, dass bisher in der Vorbereitungsphase der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in 21 Fällen Zwangsräumungen von Anwohnern in sieben brasilianischen Großstädten statt gefunden haben. Der Bericht wurde von der „Nationalen Verbindung der öffentlichen Komitees der Weltmeisterschaft“ (Articulação Nacional de Comitês Populares da Copa) herausgegeben.

Der Verbindung gehören Organisationen aus dem sozialen und akademischen Umfeld sowie politische Organisationen an, die Verletzungen und illegale Handlungen, die im Zusammenhang mit den Megaevents Weltmeisterschaft 2014 und Olympiade 2016 stehen, untersuchen und zur Anklage bringen wollen. Das Dossier legt Schätzungen zugrunde, nach welchen insgesamt 170.000 Personen umgesiedelt werden müssen, damit der Infrastruktur, die für die Sportevents benötigt wird, Platz geschaffen werde.

Ein Beispiel dieser geplanten Projekte ist der Linienpark (Parque Linear Várzeas do Tietê) in São Paulo, der als breite Verbindungsstraße zwischen dem internationalen Flughafen Guarulhos und dem zukünftigen Stadium (Estádio do Corinthians) entstehen soll. Dem Bericht zufolge wurden in diesem Gebiet bereits 4.000 Familien aus ihren Wohnungen entfernt und weitere 6.000 sind davon bedroht, ihre Häuser aufgrund des Bauprojektes verlassen zu müssen.

Die vom Komitee eingeholten Aussagen beschuldigen die Militärpolizei (Polícia Militar, kurz: PM) und die städtische Polizei, die betroffenen Bewohner des Viertels Chácara Três Meninas unter Anwendung übermäßiger Gewalt und ohne vorherige Information aus den Wohnungen entfernt zu haben.

Die Militärpolizei äußerte sich in einem offiziellen Schreiben und wies die Anschuldigungen zurück. Bei den Räumungen in Chácaras Três Meninas sei die PM nicht beteiligt gewesen. Die städtische Polizei beteuerte wiederum, dass sie lediglich die Militärpolizei in ihren Operationen unterstützt hätte. Das Gemeindesekretariat für städtische Sicherheit wartet derzeit auf Anweisungen der für das Viertel zuständigen Bürgerverwaltung, um über das weitere Vorgehen zu den im Dossier angeklagten Enteignungen zu entscheiden. (jv)