Die Zentralbank will Schulden in Höhe von 10 Milliarden Euro eintreiben. / Copyright: Agência Brasil
Die Zentralbank will Schulden in Höhe von 10 Milliarden Euro eintreiben. / Copyright: Agência Brasil

Die Zentralbank will Schulden in Höhe von 10 Milliarden Euro eintreiben. / Copyright: Agência Brasil

Die Zentralbank (Banco Central) plant einen Großteil der Schulden einzutreiben. Durch das Ermittlungsprojekt „Projekt Großschuldner“ (Projeto de Grandes Devedores) sollen Schulden in Milliardenhöhe erfasst werden und die Bank mit flüssigem Kapital versorgen. Angesichts des Außenhandelsdefizits und steigender Inflation sichert sich die Zentralbank so weitere Reserven. Der Erfolg des Projektes könne erheblich zur Verbesserung der öffentlichen Konten beitragen und helfen, die Außenhandelsbilanz auszugleichen, so das Versprechen der Zentralbank.

Zu diesem Zweck wird ab Oktober dieses Jahres versucht, fast 30 Milliarden Reais (zehn Milliarden Euro) ausstehender Zahlungen einzutreiben. Allein an Zinszahlungen will die Bank auf diese Weise jährlich 600 Millionen Reais (200 Millionen Euro) gewinnen. Laut der Zeitung Folha de S.Paulo sind 322 Schuldner in den engeren Blick der Bank gerutscht. Diese verantworteten allein 70 Prozent offener Rechnungen bei der Bank.

Unter den Hauptschuldnern der Bank befinden sich demnach sowohl Finanzinstitutionen wie auch Einzelpersonen, Unternehmen, Fußballvereine als auch der Bundesstaat Rio de Janeiro. Jeweils schuldeten sie der Bank mindestens eine Million Reais (circa 335.000 Euro).

Ein Großteil der Schulden stammt aus Strafen, die den Unternehmen oder Personen wegen illegaler Finanztransaktionen im Ausland auferlegt wurden. Vor allem die Fußballvereine sind in dem Bericht der Zentralbank genannt. Zum Sparen von Steuern hätten sie Finanzgeschäfte im Ausland abgewickelt. Bei unversteuerten Verkäufen von Spielern an ausländische Vereine hätten viele Clubs Schulden durch Strafen angehäuft. In diesem Sinne beauftragt die Zentralbank nun ein Unternehmen, Vermögen und Anlagen von Ablegern brasilianischer Unternehmen, so genannter Briefkastenfirmen, im Ausland zu untersuchen.

Unter den größten Schuldnern befinden sich ebenso Institutionen, die staatliche Kredite nicht zurückgezahlt haben. Wie die Folha berichtet, schuldet die Auxiliar AG der Zentralbank allein elf Milliarden Reais (etwa 3,7 Milliarden Euro), die auf einen Rechtsstreit aus dem Jahre 1985 zurückgeht. Damals hatte sich die Zentralbank außergerichtlich mit dem in Insolvenz stehenden Unternehmen geeinigt und vorerst Teile ihrer Schulden übernommen. Wie die Auxiliar AG gibt es viele weitere Unternehmen. Aus diesem Grund ist es neben der Einlösung der Schulden ein weiteres Ziel der Zentralbank, juristische Auseinandersetzungen zu umgehen. Weitere gerichtliche Verhandlungen würden die Prozesse nur wieder in die Länge ziehen. (ms)